Chemnitz 30.05. „Nazis wegbassen“

Am 30.05. demonstrierten zum dritten Mal mehr als 800 Personen unter der Kampagne „Schöner leben ohne Naziläden“. Das diesmalige Motto: „4/4 gegen 88 – Nazis wegbassen“

Am 30.05. eröffnete der Laden „Waffen-Army-Shoes“ nach einem Umzug in eine der bestgelegenen Einkaufpassagen der Stadt Chemnitz neu. Das Angebot ist klar auf rechtes Klientel ausgerichtet. Schon alleine das Ladenschild wirbt nicht nur mit Waffen-Army-Shoes, sondern gleich daneben prangt das Thor Steinar Symbol – ganz nach der Art „Hier bin ich Nazi – hier darf ich sein“.
Schon im Vorfeld der Demo gab es eine Auseinandersetzung zwischen dem Ladenbesitzer Tobias Schneider, der Stadt Chemnitz sowie den AnmelderInnen. In einem offenen Brief an die Bürgermeisterin und an die Stadträte verglich Schneider die Anti-Nazi-Demo u.a. mit dem Überfall der Nazis auf den Radiosender Gleiwitz 1939 und stellte sich auf die Stufe mit verfolgten Juden während des NS-Regimes. [Stellungnahme des Demobündnisses] Nicht nur dies zeigt doch die scheinbar psychisch gestörten Ansichten von Schneider, auch seine Einladung zum Besuch des Ladens während der Demonstration auf einschlägigen rechten Seiten zeigt, dass er doch nicht so politisch neutral ist, wie er sich gibt.
15 Uhr war der offizielle Auftakt und es versammelten sich auf dem Bahnhofsvorplatz über 800 Menschen. Gegen 16 Uhr bewegte sich dann der Demozug in Richtung Laden. Die Demo kündigte sich durch das Lied vom Tod an und dann ging die Party erst richtig los. Alle tanzten zu den Beats der Fraktion42 über eine ¾ Stunde lang und der Laden wurde mit zwei Redebeiträgen beschallt. Wir entschuldigen uns noch einmal für den stellenweise inhaltlich falschen und schlecht formulierten Redebeitrag der Jusos.
Nachdem für mächtig Stimmung gesorgt worden war, bewegte sich die Demo tanzend weiter zum Karl-Marx-Kopf. Hier kam es zu Sprechchören einiger Nasen, die aber durch „The Incredible Bass Machine“ (unseren Lauti) und die Rufe der DemonstrantInnen einfach nur unterging. Die Polizei war dann der Meinung unsere Gäste ausladen zu müssen, dies war dann aber relativ uninteressant für die Demo und es ging mit einem Redebeitrag, der die Unterstützung von Strukturen in lädlichen Regionen thematisierte. Dabei wurde noch einmal unterstrichen, dass diese Regionen nicht aus den Blick geraten sind und Solidarität mit den dort ansässigen Menschen wichtiger ist als eh und je.
Die Demo wurde über den Chemnitzer Innenstadtring fortgesetzt und führte schließlich zum letzten Kundgebungsort in Höhe des Tietzes. Auf diesem Weg gab es einige verbale Auseinandersetzungen mit wenigen Rechten, aber ansonsten kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen.
Die Demo endete schließlich wieder am Hauptbahnhof, wo noch einmal das Letzte aus den Boxen herausgebasst wurde für einen lauten Abgang.
Während der ganzen Demonstration herrschte zwar ein gewisses Chaos unter den OrdnerInnen und der Demoleitung, dies hatte aber keine große Auswirkung auf Demonstration selbst, die eine Größe angenommen hatte, die über den Einschätzungen der OrganisatorInnen lag.
Da der Polizeieinsatz des 05.03.2008 noch immer bei der Polizeiführung für starke Wellen sorgt, wurde für den 30.05. die „Deeskalationsstrategie“ angekündigt. Eigentlich war versprochenen wurden keine Vorkontrollen durchzuführen, aber da es die Polizei eben es einfach nicht lassen kann… Die Einheiten verhielten sich, von Einzelfällen abgesehen, aber verhältnismäßig kooperativ und kümmerten sich eher um die Nazis.
Positiv ist das breite Bündnis zu bewerten, dass sich zwar leider erst zu diesen Anlass formierte. Weiterhin gab es eine großes Medieninteresse, dass sich in mehreren Zeitungsberichten und TV-Beiträgen und einen Livestream äußerte. Dies soll aber nicht die einzige Öffentlichkeitsarbeit gewesen sein – Wir werden dafür sorgen, dass der Sachverhalt weiterhin in der Öffentlichkeit thematisiert wird.

Ein Dankeschön an die verschiedenen Gruppen, die Redebeiträge begesteuert und uns im Vorfeld als auch während der Demonstration unterstützt haben.

Diese Demo hat bewiesen, dass Chemnitz nicht nur die Nazi-Lifestyle-Vertriebs Stadt ist, wie sie von vielen gesehen wird. Die Demo war ein klarer Erfolg, denn es hat nicht nur den Nazis gezeigt, dass wir ihre Szene in Chemnitz nicht dulden, sondern das wir auch viel dagegen tun können und uns die Party nicht vermiesen lassen.

Naziläden dicht machen! Nazistrukturen bekämpfen!

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