Archiv für Februar 2010

Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!

Aufruf der Initiative gegen jeden Extremismusbegriff (INEX) zur kollektiven Verweigerung politischen Unsinns

Das veränderte politische Klima unter der schwarz-gelben Koalition hat bereits erste Einschnitte zur Folge. So konnte man in den letzten Tagen in Dresden und Berlin sehen, was der Staat vom aktiven Engagement gegen Nazis und deren Gesinnung hält. Die Repressionen gegen Vereine und Initiative, die sich den Nazis entgegenstellen, zeigen wie der Staat auch in Zukunft mit solchem Engagement umzugehen gedenkt.
In Teilen der Öffentlichkeit zeichnet sich zwar Empörung gegen dieses Vorgehen ab. Gleichzeitig verweigern sich jedoch die Protestierenden der konsequenten Kritik des Extremismusbegriffs. Die Extremismusformel als legitimatorische Basis des Vorgehens von Politik, Staatsanwaltschaft und Polizei wird damit von den Kritiker_innen selbst reproduziert und ihre Konsequenzen werden billigend in Kauf genommen.
Hier deshalb unser Aufruf „Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns!“, in dem wir dazu auffordern sich endgültig vom Extremismusansatz zu verabschieden.

Gemeinsam gegen jeden Extremismus? Nicht mit uns! Aufruf zur kollektiven Verweigerung politischen Unsinns

The never ending story

5. März: Demonstration gegen jeden Geschistsrevisionismus

Das Verbot der am 05. März in Chemnitz geplanten Nazi-Demonstration hatte vor Gericht keinen Bestand. Antifaschistische Demonstration am Hauptbahnhof findet 16 Uhr statt und richtet sich nicht nur gegen Nazis, sondern gegen jede Art von Geschichtsrevisionismus. (mehr…)

Die (un-)gewollte Nähe

Am kommenden Samstag erwartet Dresden den größten Naziaufmarsch Europas. Zahlreiche Bündnisse mobilisieren zu Gegenaktionen. Weder Menschenketten noch groß angelegte Mobilisierungen werden das Problem mit der Relativierung der Geschichte lösen können. Eine grundlegende Kritik am bürgerlichen Gedenken muss geübt werden. (mehr…)

Das Tränenmeer trocken legen – Kritik am Chemnitzer Totenkult

Die Bombardierung deutscher Städte durch die alliierten Flugverbände ist jedes Jahr aufs Neue eine dramatische Begebenheit. Vielerorts werden derartige Jubiläen auf unterschiedliche Art und Weise begangen. Auch Chemnitz ist seit vielen Jahren damit beschäftigt die emotionalisierte Erinnerung an den Angriff auf die Stadt im Gewand verschiedener politischer und kultureller Veranstaltungen zu zelebrieren. Im Fokus stehen hier wie auch andernorts vor allem die eigene Betroffenheit und das „unsagbare Leid“1, welches mit dem Angriff scheinbar über die Bevölkerung der Stadt herein brach.
Der daraus erwachsende Anspruch, bezogen auf die Opfer – „würdig“ zu Gedenken – verbindet sich mit dem Wunsch, sich an diesem Tag für den Frieden in der Welt stark zu machen und wird mit allerlei (welt-)anschaulichem Habitus verdeutlicht. Leider glänzen die Akteur/innen dabei nicht unbedingt mit der inhaltlich korrekten Vermittlung historischer Gegebenheiten.
Frei nach dem Motto: „Wer Wert auf den historischen Kontext legt, kann sich ja damit auseinandersetzen“ kann in Chemnitz fast jede/r das jeweilige Verständnis von Krieg, Frieden, Volk und Leid bzw. die eigens konstruierte „richtige“ Perspektive auf die Tatsachen in der Vergangenheit sowie der heutigen Weltpolitik zu Schau stellen. Da wir uns nicht als integralen Bestandteil solcher Veranstaltungen begreifen und ebenso wenig die Rolle des „schlechten Gewissens der Geschichte“ spielen wollen, setzen wir die Kritik dort an, wo sie im Allgemeinen beginnen sollte: Innerhalb der mehrheitsfähigen Bevölkerungsgruppen.
Daher folgt an dieser Stelle ein kritischer Beitrag zu einem stark emotionalisierten Thema, von dem innigst erwünscht wird, es mit der selben gefühlsduseligen Färbung frei von kritischer Betrachtung auch offiziell begehen zu können. Die Diskussion auf dieser wenig sachlichen Ebene zu führen, ist jedoch absolut nicht unser Anliegen. 65 Jahre nach Kriegsende ist es für uns weiterhin wichtig wider ein geschichtsrevisionistisches Geschichtsbild und einen verbrämten Bezug auf eine geläuterte Nation anzustehen und uns damit der Verkehrung der Geschichte zu widersetzen.
Es ist wieder deutsche Normalität, in der Öffentlichkeit auf die „eigenen Verluste“2 im Krieg hinzuweisen und damit gleichzeitig für sich in Anspruch zu nehmen, diese ebenfalls in aller Öffentlichkeit betrauern zu dürfen. Solches Verhalten entzieht sich in verschiedenen Dimensionen nicht nur jeder historischen Verantwortung, sondern verkennt auch die spezifisch deutschen Verbrechen des Nationalsozialismus und des II. Weltkrieges.
Deshalb ist es also weder angebracht noch legitim, deutsche Kriegstote ihrer aktiven Teilnahme am Nationalsozialismus zu entheben. Gleichzeitig versucht sich die öffentliche Trauer an die Betroffenheit der von Deutschland überfallenen Staaten anzunähern und das bewegende Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit herbeizutrauern. Die Gleichstellung der Chemnitzer Bevölkerung mit von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen ist wie das damit verbundene öffentliche Gedenken abzulehnen. Aber auch eine Gedenkkultur, die auf persönlicher Betroffenheit und unter Beteiligung von damals lebenden Angehörigen basiert, muss zwangsläufig jeglicher Reflexion über persönliche Mitschuld am Nationalsozialismus entbehren. Sich aber genau damit auseinander zu setzen, wird gerade, weil es das Betroffenheitsvermögen aller Beteiligten bei weitem übersteigen müsse, verdrängt, ausgeblendet oder offen abgewehrt.
Wie jedes Jahr finden auch am 05.03.2010 verschiedene Veranstaltungen, die sich sowohl mit der Bombardierung der Stadt im Jahre 1945, als auch mit dem Nationalsozialismus an sich auseinandersetzen, statt. Sie werden gerahmt von ausreichend „Events“, die sich weder dem einen noch dem anderen Themenkomplex widmen.
Die Frage nach Sinnhaftigkeit und Zielstellung dieses Handelns bleibt allerdings seit Jahren offen. Oder sollte an dieser Stelle die gewagte Vermutung in den Raum gestellt werden, es handle sich dabei um die praktische Verklärung der Rolle von Chemnitz während des Nationalsozialismus?! (mehr…)

Chemnitz Hbf|5.3.|16:00| Das Tränenmeer trocken legen – Wider den Chemnitzer Totenkult!

Demonstration am 05.03.2010. Start: 16 Uhr Chemnitzer Hauptbahnhof. Ein ausführlicher Text zur Kritik am Gedenken folgt in Kürze.
Das Tränenmeer trocken legen!
Am 5. März marschieren viele Chemnitzer_innen zum kollektiven Trauern auf. Ob nun bürgerlicher Friedenstag oder die Nazi-Demonstration unter dem Motto „Die Opfer waren unsere Familien“, es vereinen sich beide unter dem Deckmantel der Trauer um die Deutschen Opfer des Bombenangriffes der Alliierten auf Chemnitz.

Fragt sich nur: Welche Deutschen Opfer? Chemnitzer Bürger_innen nahmen aktiv am Nationalsozialismus teil oder hatten nur ein sehr geringes Bedürfnis, den selbigen wieder loszuwerden. So beschreibt ein Augenzeuge, wie ein grölender Menschenauflauf an den Pogromen vom November 1938 teilnahm. Noch besser besucht war 1944 die allgemeine Vereidigung zum Volkssturm, dem mehrere 10.000 Menschen beiwohnten.

Mit einer Demonstration möchten wir unsere Kritik an einem Gedenken ausdrücken, welches die Rolle der bombardierten Chemnitzer Bevölkerung im Nationalsozialismus auf eine Opferrolle reduziert. Wir positionieren uns gegen einen unreflektierten Friedensbegriff, der deutsche Großmachtsinteressen ausblendet oder sich in sturer Tradition an den erzwungen Frieden von 1945 anlehnt.1
Wer mit der Geschichte abschließen möchte, kann keine Lehre aus ihr ziehen und findet sich im Schulterschluss zu bekennenden Geschichtsrevisionist_innen wieder. Dieses Verhalten entzieht sich auf mehreren Wegen jeder historischen Verantwortung und Anerkennung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg und dem Shoah.

Gegen Nazis und Geschichtsrevisionist_innen.
Deutsche Täter_innen sind keine Opfer!

Der Aufruf wird unterstützt von:
Freya Maria Klinger (MdL Die Linke), Rote Hochschulgruppe, Antifaschistische Gruppe Freiberg , Autonome Antifa Westerzgebirge , Antifa Jugend Plauen, VK „Kein Versöhnung mit Deutschland“, AK Antifa Dresden

  1. Ursprüngliche Fassung: „Genauso wollen wir uns gegen friedensbewegte Gruppen positionieren, die scheinbar nur Frieden fordern, weil es mit der deutschen Weltherrschaft nicht geklappt hat.“ Aufgrund dieser Formulierung kam es zu Missverständnissen oder wir wurden gezielt missverstanden. Diese neue Formulierung präzisiert damit unsere Meinung. [zurück]



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