„Es war eine Symphonie“

Demonstration um 16:00 am Chemnitzer Hauptbahnhof gegen jeden Geschichtsrevisionismus. Naziaufmarsch soll um 17:00 ebenfalls am Bahnhof starten. Eine Auseinandersetzung in der Gesellschaft über die Umstände, die zur Verklärung von deutschen Täter_innen zu „deutschen Opfern“ führt, muss stattfinden.

Mit den Worten „die alliierten Bombenangriffe waren Musik für unsere Ohren, sie verhießen die Befreiung …“ beschreibt der ehemalige KZ-Häftling Max Michelson die Bombardierung von Magdeburg. Gerade in Anbetracht des kommenden Jahrestages der Bombardierung von Chemnitz sollte die Befreiung vom Nationalsozialismus im Mittelpunkt stehen. Es steht an solchen Jahrestagen meist alles andere als die Befreiung im Mittelpunkt, sondern die Trauer um alle „deutschen Opfer“.
Welche Opfer? – wäre da eine berechtigte Frage. Sie wird aber nicht gestellt. Stattdessen bezieht sich eine breite Öffentlichkeit auf eine Gesamtheit von selbst erklärten Opfern: Eine notwendige Differenzierung findet nicht statt. So wird es möglich, die deutsche Volksgemeinschaft als unschuldig zu begreifen und darzustellen. Es wird eben nicht darauf eingegangen, dass diese den Totalen Krieg bereitwillig für sich erklären ließ, sich von massiven Bombardierungen nicht davon abhalten ließ, weiter die Totesmaschinerie des Nationalsozialismus zu unterstützen und die industrielle Ermordung von über sechs Millionen Menschen stillschweigend zu akzeptierten oder diese noch bereitwillig zu unterstützen.
Damit wird faktisch eine Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus begangen. Verfolgte werden gleichgestellt mit denen, die an Verbrechen teilgenommen haben. Des Weiteren bietet dieses Verhalten geradezu Anknüpfungspunkte mit Nazis, was sich jedes Jahr in stattfindenden Trauermärchen äußert. In diesen beziehen sie sich positiv auf die gleiche diffuse Gesamtheit an Toten, wie es auch im offiziellen Gedenken zu finden ist.

Deshalb sollte nicht nur Kritik am Naziaufmarsch, sondern auch am latenten Geschichtsrevisionismus des Gedenkens geäußert werden.

Weitere Veröffentlichungen zum Thema unter http://aak.blogsport.de/5-maerz/ .

Teilen:
  • Facebook
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • MySpace




Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: