Archiv für April 2010

Mahnwache als Reaktion auf antisemitischen Übergriff

Am vergangenen Montag rief die Chemnitzer Tafel zu einer Mahnwache am Schalom auf der Carolastraße auf. Vorausgegangen war ein Übergriff auf das Lokal1. Bei diesem wurden die davor stehenden Laternen beschädigt, der Briefkasten wurde zertreten und das Gebäude bespuckt und dagegen uriniert. Die Täter_innen konnten bisher noch nicht festgestellt werden.

Zu der besagten Mahnwache begaben sich ab 18:00 etwa 50 Personen. Schon bei der Ankunft fiel eine Reihe „merkwürdig anmutender“ Schilder auf. Mit Symbol-Kombinationen wie „Deutschlandfahne-Herz-Israelfahne“ oder „Sachen Wappen-Magen David“ mit Aufschrift „Wir stehen bei euch“ sollte scheinbar auch eine „deutsche“ Solidarität demonstriert werden.
Zahlreiche spontane Redner_innen hatten sich im Vorfeld gemeldet. Die Organsator_innen der Chemnitzer Tafel begangen mit ihren.
Der Kritikpunkt, der der Tafel am wichtigsten erschien, war der Vandalismus der heutigen Zeit. Auch die anschließenden Redner_innen sahen eher ein Problem mit dem Vandalismus. Erst Petra Zais vom Mobilen Beratungsteam brachte das Wort Antisemitismus über die Lippen. Eine Person von den sächsischen Israelfreunden sagte, dass es jeden Monat über antisemitische Übergriffe aus Sachsen zu berichten gäbe. Andre Löscher von der Opferberatung betonte, dass es wichtig sei, den Angriff als solches einzuordnen, was er sei: Ein Angriff mit politischen Hintergrund.
Als letzter Redner trat der Besitzer Uwe Dziuballa des Schaloms hervor. Er sprach über die zahlreichen Übergriffe, die es seit dem Bestehen des Schaloms gab und welche Reaktionen diese hervorriefen. Anstatt Solidarität gab es Anfeidungen nach Angriffen: Warum das Haus den so verwahrlost aussehe oder die Aufforderung endlich seinen Dreck weg zumachen. Das Handeln der Polizei nach solchen Übergriffen konnte er nur als hilflos bezeichnen.
Mit dem Verweis auf die Aktualität des Antisemitismus und des Trauertags in Israel am 12.04., mit dem der sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden der Shoa gedacht werden sollte, wurde eine Trauerminute eingelegt.

Die Kontinuität der Angriffe auf das Schalom, als auch der Übergriff auf das jüdische Gemeindezentrum am heutigen Donnerstagmorgen2 zeigt, dass der Bedeutung des Antisemitismus nach wie vor zu wenig Beachtung geschenkt wird. Eine Reflexion über die Ursachen, die tief in der bürgerlichen Gesellschaft zu suchen sind, ist notwendig. Dabei sollte nicht nur eine Kritik an den offensichtlichen Erscheinungen geübt werden – in Form von Übergriffen zum Beispiel – sondern auch an den strukturellen Phänomenen.

  1. http://www.polizei.sachsen.de/pd_ce/8277.htm
    http://www.mdr.de/sachsenspiegel/7235571.html [zurück]
  2. http://www.polizei.sachsen.de/pd_ce/8308.htm
    http://www.mdr.de/sachsen/7251975.html [zurück]



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