Archiv für Oktober 2010

3.11.|TU Chemnitz|Ordnung schafft Extremismus

Vortrag und Diskussion mit Stefan Kausch am 3. November 2010 an der TU Chemnitz Zimmer N105 um 18:30 im Rahmen der Veranstaltungsreihe der Roten Hochschulgruppe „Extremismus geht nicht“

Demokratie(theoretische) Perspektiven als Kritik des Extremismus-Modells

Der Begriff Rechtsextremismus taucht immer wieder in der medialen Öffentlichkeit auf. So sprechen neben staatlichen Institutionen wie den Landesämtern für Verfassungsschutz, die Bundesfamilienministerin Schröder und das Bundesinnenministerium, auch Zeitungen, Nachrichtensendungen und wissenschaftliche Publikationen von der Bedrohung einer demokratischen Mitte durch verschiedene Extremismen. Was hat dies mit einem Appell an die Bundeskanzlerin nach einem Machtwort zu tun, wenn die CDU sich zu lange über verschiedene Positionen streitet und welches Demokratiekonzept steckt dahinter?
Braucht staatliche Ordnung etwa die Vorstellung von extremistischen Rändern, um sich selbst in der „demokratischen Mitte“ zu verorten?
Diesen Fragen stellt sich der Politikwissenschaftler Stefan Kausch in einem Referat mit einer anschließenden Diskussion.

Der unbewusste Zwang zur Konformität

Redebeitrag der Antifaschistichen Aktion Chemnitz / AAK gehalten am 9. Oktober 2010 in Freiberg auf der Demonstration „Hier leben? Nein Danke!“ der antifaschistischen Gruppe Freiberg:

Die Chemnitzer Öffentlichkeit stellt sich als eine bemerkenswert friedliche dar: Wer durch Chemnitz läuft, wird feststellen, dass es außer organisierter Langeweile nichts zu geben scheint. Wo in so mancher Innenstadt nach 22 Uhr noch Menschen unterwegs sind, kann der Bürgersteig in Ruhe vor Belastung friedlich schlummern. Die großen Zufahrtsstraßen mutieren für vereinzelte Nachtwander_innen zu gut gepflegten Wanderwegen. Im Bereich des Brühls ereignet sich eine Realsatire: Mit Zeugnissen einer Streetart-Szene wird Lebendigkeit suggeriert, wo keine mehr ist. Wen stört ein provokantes Graffiti, wenn die Personen doch gar nicht mehr da sind, die es stören könnte?
Genau an der Grenze der Barbarei, zwischen Dörflichkeit und Stadt – einem Relikt was früher einmal „Stadt“ hieß, ereignen sich die drastischten Zeugnisse des Umbruchs zur Post-Urbanität. An diesem soll exemplarisch illustriert werden, was diese Prozesse gesellschaftlich bedeuteten und welche Exzesse mit dieser Transformation verbunden sind. (mehr…)

27.10|AJZ Chemnitz|Angst vor der Sexbomb? Die Geschichte der Männlichkeit im Iran

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Mittwoch, den 27.10.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz mit Fathiyeh Naghibzadeh.

Für viele Kulturrelativist_innen dürften die Demonstrationen im Iran seit dem Juni 2009 ein ähnlicher Schock gewesen sein wie für die Islamisten im Iran und weltweit. Hatten sie doch seit Jahrzehnten verbreitet, dass Schleier und Scharia eben die Kultur der Iraner_innen seien. Verzweifelt suchen Islamapologet_innen wie Bettina Mathes nach immer neuen “Argumenten für die Burka”. Doch wurden die westlichen Fantasien über den Orient von den Ereignissen im Iran gründlich erschüttert. Viel ist seitdem über die unerträgliche Lage der Frauen im Iran und in der islamischen Welt geschrieben worden. Aber nur wenige Pioniere wie der aus Ägypten stammende Hamed Abdel-Samad beschäftigen sich mit dem Problem der Männlichkeit unter islamischen Verhältnissen. Thema des Abends soll die Geschichte der Männlichkeit im Iran vor und nach der Revolution von 1979 sowie die Frage sein, ob es sich bei der Islamischen Republik tatsächlich um eine Form des “Patriarchats” handelt, wie manche Kritiker_innen des Islamismus behaupten.

6.10|AJZ Chemnitz|Jeder Mensch ist illegal – Zur Kritik des Menschenrechts

Auftakt der Veranstaltungsreihe „is schon schlimm – Von guten Menschen und schlechten Zuständen“ des Bildungskollektiv Chemnitz am Mittwoch, den 06.10.2010 19:00 Medien-Café m54 im AJZ Chemnitz, Chemnitztalstraße 53, 09114 Chemnitz mit Martin Dornis.

Die Erklärung der Menschenrechte gelten fast allen, die gegen Diskriminierungen eintreten als Grundlage, auf die es sich für ein humanes Zusammenleben zu berufen gilt. Im Lichte weltweiter Ausbeutung, Gewalt, Krisen und Kriegszustände wirkt ihre Anrufung aber zunehmend nicht nur ohnmächtig sondern offenbart häufig auch ihren zutiefst gespaltenen Charakter. Ohne Staat ist kein Recht denkbar, angesichts von Krisen und Kriegen wirkt dieser Garant aber immer weniger glaubhaft, weshalb so manche Bürger_innen ihr Menschenrecht, so wie ihre eigene und gegenseitige Ausbeutung und Unterdrückung, gern selbst in die Hand nehmen und zu Selbstjustiz, Hassprojektionen und Aktionen greifen.

Welche Bedeutung haben die Menschenrechte für die bürgerliche Gesellschaft und welche Auswirkungen hat ihre Krisenhaftigkeit? Welche Rolle spielen Antisemitismus und Antizionismus für dieses widersprüchliche Denken?

Der Vortrag folgt der Entwicklung der Konzeption der Menschenrechte von ihrem Beginn in der französischen Revolution und dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Sie diskutiert ihren widersprüchlichen Charakter, der allen Menschen universell Freiheit zusprechen wollte und sie doch nur partikular eingestehen konnte. Sie geht bis hin zu Hitlers Parole, der zufolge Menschenrecht das Staatsrecht brechen sollte. Im Zentrum steht einerseits die Diskussion des Übergangs von vormoderner, direkter hin zu versachlichter Herrschaft – die untrennbar mit dem Siegeszug der Menschenrechte verbunden ist-, andererseits die Transformation der Menschenrechte in eine Waffe des Antisemitismus. Die Menschenrechte waren immer schon Ideologie. Aber dereinst bestand ihr ideologischer Charakter darin, dass sie eine freie Menschheit versprachen ohne sie zu garantieren, sondern vielmehr Ausbeutung und Herrschaft in versachlichter Form fortzuschreiben. Heute wollen die Menschenrechtler_innen dem einzig legitimen Staat der Welt an den Kragen, womit sie den inhumanen Kern ausplaudern, der den Menschenrechte seit je innewohnte. Eine wirklich durchgeführte Befreiung von Ausbeutung und Herrschaft kann es daher nur jenseits der gewaltförmigen Vergleichung von Individuen zu freien und gleichen Staatssubjekten geben.




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