Archiv für November 2010

1.12|AJZ Chemnitz|Rausch ohne Ende: Die Wandelbarkeit der HalluziNation

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Mittwoch, den 01.12.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz mit Ernst Lohoff.

Der Siegeszug der modernen Staatlichkeit ging mit dem Siegeszug einer Wahnvorstellung einher. Die Formierung anonymer Marktgesellschaften fiel mit der Entstehung der “imaginären Gemeinschaft der Nation” (Benedict Anderson) zusammen. Dieses gemeingefährliche Realphantasma erweist sich nicht nur insofern als extrem anpassungsfähig und variantenreich als es sich innerhalb von zwei Jahrhunderten von Europa aus über alle Kontinente verbreiten konnte; in neuen Mutationen gedeiht es auch im globalisierten Kapitalismus prächtig. Nationalökonomie und Nationalstaat mögen obsolet sein, das Konstrukt einer nationalen-kulturellen Identität ist es nicht, hierzulande am allerwenigsten. Die Debatte um Thilo Sarrazins Bestseller “Deutschland schafft sich ab” fügt sich in einen größeren Prozess ein. Angesichts massiver auch für die Mittelschichten bedrohlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verwerfung, bildet sich eine neue Variante “imaginäre Gemeinschaftlichkeit” heraus, die mit dem Liberalismus und der Beschwörung individueller Verantwortung kompatibel ist.

28.11|AJZ Chemnitz|Eine Seefahrt. Die ist lustig? – Zur Geschichte des deutschen Antizionismus

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Sonntag, den 28.11.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«

Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.

20.11|Limbach-O.|15:00|Das Problem: Naziterror – Die Lösung: Alternative Kultur

Aufgrund der vergangen Übergriffe in Limbach-Oberfrohna und des Brandanschlags auf das Vereinshaus findet eine Demonstration am 20.11.10 15:00Uhr auf der Sachsenstraße 3 vor dem Industriemuseum Limbach-Oberfrohna statt. Weitere Information gibt es auf der Website des Vereins. Es folgt der Aufruf:

Das Problem: Naziterror – Die Lösung: Alternative Kultur

In Limbach-Oberfrohna ist der rechte Mainstream an der Tagesordnung.
Dabei stellen Begrüßungen wie „Sieg Heil“ den Alltag der Jugendlichen in Limbach-Oberfrohna dar. „Du Jude“ wird auch als gängige Beleidigung verwendet. Fast wöchentlich hören wir von rechten Pöbeleien, die selbst in öffentlichen Räumen wie Schulen Normalität sind. Alternative Jugendliche haben in diesem Alltag keine Chance beruhigt durch die Straßen zu gehen. In der Vergangenheit prägten rechte Schmierereien, Sachbeschädigung, Einschüchterungsversuche sowie körperliche Übergriff das Leben nicht-rechter Jugendlicher erheblich. Der Brandanschlag auf unser Vereinsdomizil in der Nacht vom 12. auf den 13. diesen Monats stellt nur die Spitze der stetig steigenden nationalistisch motivierten Gewaltspirale in Limbach-Oberfrohna dar. Mit dem Anzünden von einem Teil eines Doppelhauses, dessen andere Hälfte bewohnt ist, ist ein neues Maß an Gewaltbereitschaft erreicht. Menschen werden ohne jede Gewissensbisse in Lebensgefahr gebracht, nur weil auf der vorherigen perversen Hetzjagd keine befriedigenden Ziele erreicht wurden.
Menschen, die sich für die Gleichberechtigung und Freiheit aller einsetzen, werden zu Feindbildern erklärt und dies nicht nur vom Rand des rechten Abgrunds. Mittels der Extremismusformel wird jedes andere Aussehen, jede unangenehme Äußerung und Meinung als Angriff gegen die unumstößliche Meinung der „bürgerlichen Mitte“ gesehen. Oberbürgermeister Dr. Hans Christian Rickauer und Dietrich Oberschelp halluzinieren weiter vermeintlich linke gewaltbereite Jugendliche innerhalb der Stadt herbei und relativieren damit weiter rechte Straftaten. Statistiken des RAA Sachsen, des Verfassungsschutzes und der von uns selbst geführten Straftatenauflistung zeichnen jedoch ein anderes, realitätsnahes Bild.
Doch diese empirischen Beweise sind für die Stadtverwaltung kein Grund, ein rechtes Problem zu erkennen. Statt dessen werden rechte Sprühereien schnell als linke interpretiert und teils in der Presse als Beweis für „Linksextremismus“ dargestellt. Weiter beharren Hippold, Oberschelp, Rickauer und Co. auf die irrationale These, dass die rechte Gewalt erst mit Gründung unseres Vereins bzw. der Anwesenheit Andersdenkender entstand. Aus dieser These ist ersichtlich, dass der Stadtverwaltung eine Einheitsbürgerschaft einer starken Rechten lieber ist als Emanzipation, Vielfalt und Demokratie. (mehr…)

Limbach-O.: Brandanschlag auf Vereinsdomizil und brutaler Übergriff

Anlässlich der gestrigen Übergriffe in Limbach-Oberfrohna folgt die Pressemitteilung des Soziale- und Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. Weitere Bilder und Informationen gibt es auf der Website des Vereins:

Gestern ereignete sich erneut ein brutaler Überfall in Limbach-Oberfrohna. Gegen 21:00 Uhr befand sich eine Gruppe Alternativer Jugendlicher auf dem Weg nach Hause, als ihnen auf Höhe der Albert-Einsteinstraße Ecke/Weststraße eine Gruppe von fünf bekannten Nationalisten aus Limbach-Oberfrohna und Umland entgegenkam und anfing diese verbal zu attackieren. Die Jugendlichen wollten keine Auseinandersetzung und versuchten aus dem Blickfeld der Rechten zu kommen, diese ließen jedoch nicht ab. Als nun vier weitere Freunde, der Verfolgten, diese zufällig traf und diese begleiten wollte, eskalierte die Situation. Auf Höhe der Helenenstraße/Paul-Seydel-Straße attackierte der Rädelsführer der Gruppe einen 14-jährigen und schlug diesen zu Boden, als Freunde helfen wollten, wurden diese auch brutalst von den Rechten attackiert. Eine Person erlitt dadurch eine Platzwunde, wahrscheinlich durch einen Schlagring, die später im Krankenhaus behandelt werden musste. Die anderen Betroffenen erlitten Blessuren von Schlägen und Tritten.

Der Vorfall wurde zur Anzeige gebracht und nur kurze Zeit später sammelten sich im gesamten Stadtgebiet Gruppen des rechten Spektrums unter anderem vor dem Jugendtreff Eastside an der Albert-Einstein-Straße, was auch der Polizei mitgeteilt wurde.

Gegen 23:00 Uhr wurde eine größere Personengruppe entdeckt die durch die Stadt zog. Nur kurze Zeit später, brannte unser Vereinsdomizil (Soziale & Politische Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V.) auf der Dorotheenstraße 40.
Das Vereinsdomizil besteht aus einer Doppelhaushälfte, auf dessen anderer Seite Personen wohnen. Dass es hier zu keinem Personenschaden gekommen ist, ist alleine der Feuerwehr zu verdanken. Dieser möchten wir hiermit einen großen Dank im Namen unseres Vereins aussprechen.

Gegen 1:30 Uhr waren die Löscharbeiten im gröbsten erledigt und Spurensicherung sowie Kriminalisten machten sich an die Arbeit. Diese wurden aber aufgrund der schlechten Lichtverhältnisse auf den nächsten Tag verlegt. Über den Sachschaden kann bisher nur spekuliert werden.

Dies ist eine neue Dimension an Gewalt. Schockierend für die Betroffenen des tätlichen Angriffs ist, dass die Täter gezielt auf der Suche nach Einzelpersonen waren, die sich klar gegen faschistische Strukturen vor Ort äußern. Des weiteren wird hemmungslos auf Minderjährige eingeschlagen, die aufgrund ihres Aussehens nicht in das beschränkte Weltbild passen.
Der Brandanschlag zeigt, wie notwendig unsere Vereinsarbeit ist, sich für Toleranz, Demokratie und gegen Gewalt zu engagieren. Er zeigt aber auch die Gewaltbereitschaft örtlicher Nazistrukturen, die keine Scheu davor haben Menschenleben zu gefährden.

Hier verlangen wir endlich eine klare Position der Stadtverwaltung sowie des Präventiven Rates. Weiter fordern wir die lokalen Bündnisse dazu auf, endlich klare Konzepte zur Problembekämpfung zu erstellen, anstatt sich in bloßer Selbstbeweihräucherung durch Persönlichkeiten zu profilieren. So schön diese Veranstaltungen auch klingen mögen, vor Ort an der Situation ändern diese nichts.

Denn solange hier vor Ort keine eindeutigen Signale gesendet werden, das rechte Problem in Schulen, auf der Straße und im Alltag nicht erkannt und nicht ernst genommen wird, sind Jugendliche jeder anderer Couleur in dieser Stadt auf sich allein gestellt.

Diese Tatsache sollte für jeden Demokraten nicht zumutbar sein und jeder Demokrat sollte sich in der Pflicht fühlen dieses Problem auf jeder Ebene, die ihm zur Verfügung steht, anzugehen.
Da die Aufbauarbeiten wahrscheinlich mehrere zehntausend Euro beanspruchen werden, sind wir dringend auf Spenden angewiesen. Wir werden aktuell über die Lage weiter informieren.

Spendenkonto:
Soziale & Politische Bildungsvereinigung L.-O. e.V.
Ktnr.: 351 401 65 09
BLZ: 870 500 00
Sparkasse Chemnitz

4.11|Leizpig|Angst und Trauer überwinden – Zusammen gegen Rassismus kämpfen!

Aufruf des Initiativkreis Antirassismus Leizpig zur Antirassistischen Demonstration am Donnerstag, den 4. November 2010 um 17:30 in Leipzig/Südplatz.

Vor wenigen Tagen, in der Nacht zum 24. Oktober, starb unser Freund und Kollege Kamal. Zwei deutsche Rassisten haben den 19-Jährigen vor dem Hauptbahnhof mit einem Messer angegriffen und mehrfach auf ihn eingestochen. Kamal erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Sie wurden ihm zugefügt, weil ihn seine Mörder nicht für „deutsch“ gehalten haben – Kamal kam aus dem Irak. Wir trauern um ihn. Er ist nunmehr der sechste Mensch, der allein in Leipzig seit 1990 durch nazistisch und rassistisch motivierte Gewalt ums Leben gekommen ist.

Rassismus und Erfahrungen von Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt sind trauriger Alltag für Migrantinnen und Migranten, auch in Leipzig. Kamal musste für diese Verhältnisse mit seinem Leben bezahlen. So etwas werden wir nicht länger hinnehmen. Deshalb laden wir euch ein, mit uns am Donnerstag, 4. November, lautstark und kraftvoll in der Innenstadt zu demonstrieren. Unsere Aufgabe heißt: Rassismus den Boden entziehen, Rassisten niemals und nirgends gewähren lassen. Unsere Solidarität gilt den Opfern rassistischer Angriffe!

Kommt zur antirassistischen Demonstration:
Angst und Trauer überwinden – Zusammen gegen Rassismus kämpfen
Treff: Donnerstag, 4. November 2010 / 17.30 Uhr / Südplatz

Weitere Informationen zur Demonstration gibt es auf der Website des Initiativkreis Antirassismus Leipzig unter http://initiativkreis.blogsport.de/demonstration-4-11/ .




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