16.12|AJZ Chemnitz|Wie das vierte Reich in einem Glückspulli verschwand – Zum Altern antideutscher Kritik

Vortrag und Diskussion mit Clemens Nachtmann im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Donnerstag, den 16.12.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

So ist der Lauf der Dinge: was gestern scheinbar noch Minderheitenfaible war, ist heute schon Mehrheitsprogramm; so kompromisslos „antideutsch“, wie vor 15 Jahren nur ein paar Versprengte sich gebärdeten, führen sich heutzutage deutsche Leitartikler und Feuilletonisten allemal auf und verdolmetschen damit sowohl eine verbreitete Zuschreibung von außen als auch die kurrente Selbsteinschätzung der Deutschen, die sich mehrheitlich längst nicht mehr als bornierte, verkniffene, obrigkeitshörige Spießer, sondern als weltoffene, lockere und zivilcouragierte Bonvivants begreifen.

Angesichts der Tatsache, dass im Deutschland des Jahres 2010 die nicht enden wollende Demontage des Sozialstaats ideologisch von ebenso endlosen Polemiken gegen den „paternalistischen Obrigkeitsstaat“ deutscher Prägung sekundiert wird; dass die Deutschen, weit entfernt davon, fremdenfeindlich aufzutreten, vor Begeisterung für „fremde Kulturen“ gar nicht an sich halten können; dass die Reaktion auf die Bankenkrise gar nicht besonders panisch, sondern im Gegenteil eher gemäßigt ausfiel; dass die Außenpolitik des Nationalstaats Deutschland im Kern darin liegt, gegen den „nationalstaatlichen Egoismus“ aufzutreten und für „gerechte“, auf dem Völkerrecht basierende Konfliktlösungen sich einzusetzen – wie ist unter diesen Umständen materialistische Kritik neu zu justieren und was bleibt von ihrer antideutschen Stoßrichtung?

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