Archiv für Februar 2011

Hintergründe zur Antifaschistischen Demonstration am 5. März

Am nächsten Samstag, dem 5. März wird unter dem Motto „Damit’s mal richtig sitzt“ in Chemnitz eine antifaschistische Demonstration stattfinden. Beginnen wird die Demonstration um 11 Uhr beim Alternativen Jugendzentrum Chemnitz und wird in die Innenstadt laufen. Die Demonstration ist ein Protest gegen den geplanten Aufmarsch von Neonazis in der drittgrößten sächsischen Stadt.

„Schon im Jahr 2010 wurde die Prophezeiung der Antifa wahr, dass der Trauermarsch zum 5. März der größte Naziaufmarsch seit 1945 werden würde. Diese Warnung kann wieder ausgesprochen werden“, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der Demonstration. Das städtische Verbot der Nazidemonstration wird von ihren Anmeldern juristisch angefochten, ein gerichtlicher Erfolg der Nazis ist wahrscheinlich. Chemnitzer Besonderheit ist, dass sich das offizielle Verbot nicht zu Anwachsen des zivilgesellschaftlichen Protests transformiert, sondern als politische Willensbekundung der Verwaltung vollzogen wird. Es ist deshalb zu befürchten, dass ohne tiefgreifendere antifaschistische Interventionen ein weiterer Erfolg der Nazis bevorsteht.

Wie konnte sich das sogenannte Bombardierungsgedenken am 5. März zu einem solchen Erfolgsevent für Nazis entwickeln? (mehr…)

Presseinformation zur Demonstration am 5. März am AJZ Chemnitz

Am nächsten Samstag, dem 5. März wird unter dem Motto „Damit’s mal richtig sitzt“ in Chemnitz eine antifaschistische Demonstration stattfinden. Beginnen wird die Demonstration um 11 Uhr beim Alternativen Jugendzentrum Chemnitz auf der Chemnitztalstrasse 54. Die Demonstration wird dann über die Chemnitztalstraße, die Straße der Nationen, über den Bahnhof, Bahnhofstraße, Innenstadtring bis zur Brückenstraße und dem Marx Monument verlaufen. Die Demonstration ist ein Protest gegen den, an diesem Tag geplanten, Aufmarsch von Neonazis in der drittgrößten sächsischen Stadt. „Nazis wird aus unserer Sicht in Chemnitz nicht nur am 5. März ein fruchtbarer Boden bereitet“, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der Demonstration. „Mit einem im Aufbau befindlichen NPD-Schulungszentrum, einer Anzahl an bundesweit relevanten Naziläden, festen Treffpunkten der Kameradschaftsszene, neurechten Zeitschriftenverlagen und einer im Fußball verankerten rechten Fankultur ist Chemnitz trotz mancher nicht unbeachtlicher Versuche der bürgerlichen Politik, das Problem anzugehen, nach wie vor ein fester infrastruktureller Punkt für die Neonaziszene.“
Die Demonstration richtet sich neben diesen Strukturbedingungen an diesem Tag auch konkret  gegen die Verdrehung der Geschichte des Nationalsozialismus, wie sie regelmäßig bei Gedenken an die Bombardierungen deutscher Städte im Zweiten Weltkrieg vollzogen wird. In der Darstellung der deutschen Bevölkerung als unschuldige Opfer wird die Verantwortung der deutschen Gesellschaft und die Schuld deutscher Täter für den Zweiten Weltkrieg und die Massenmorde an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Lesben und Schwulen, Linken und behinderten Menschen verdrängt und relativiert. Die Rollen von Tätern/-innen und Opfern werden vertauscht. Gleichzeitig zielt die Demonstration auf die Kritik eines sich mehr und mehr gesellschaftlich verbreitenden Gedenkens, das die Verbrechen des Nationalsozialismus für bewältigt erklärt und diese vermeintlich erfolgreiche Bewältigung für die Neudefinition deutscher Macht und Rechtfertigung nationalistischer Politik im Inneren und Äußeren benutzt. Die Veranstalter_innen der Demonstration rufen zur regen Teilnahme an ihrer Veranstaltung auf.

Verein erneut im Visier von rechter Gewalt – Steinwurf gegen Vereinshaus und Bedrohung eines Vereinsmitgliedes

Da sich offensichtlich der Hass auf die misslungene Demonstration am 19. Februar in Dresden nicht genügend beim Angriff auf das Projekt Praxis abgebaut hat, versuchen die Nazis es in Chemnitz jetzt mit Einschüchterungen. Dazu folgende Presseerklärung des „Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.“ zu den Drohungen an Vereinsmitgliedern und den Beschädigungen an Schaufensterscheiben am Projekt auf der Bernsdorferstraße:

In der Nacht vom Sonntag auf Montag, den 21.02.2011 wurden in einem vom Verein „Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.“ (WKB) genutzten Gebäude in Bernsdorf zwei Schaufensterscheiben eingeschlagen. Dabei entstand ein Sachschaden von ca. 1200 €. Der soziokulturelle Verein nutzt das Gebäude als Wohnhaus sowie eine kleine Ladenfläche als Vereinsräumlichkeit.
Am Montagmorgen erhielt ein Vereinsmitglied außerdem ein Schreiben mit der Androhung von körperlicher Gewalt. Zitat: „wir kriegen dich“.
Der WKB war in der Vergangenheit mehrfach Ziel von Angriffen. Zuletzt als Fußball-Hooligans nach dem Pokalspiel des Chemnitzer FC gegen den FC St. Pauli eine Feier des Vereins im Reitbahnviertel angriffen. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft sieht nach neuesten Erkenntnissen einen Zusammenhang zur rechten Fanszene des Chemnitzer FC.
Auch bei den aktuellen Ereignissen nimmt der Verein eine Verbindung zur rechten Szene an.

Vorstand Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V.

Jingle zu Damit’s mal richtig sitzt

Damit\'s mal richtig sitzt - Antifa-Demo am 5. März 2011

Die Nazi Demonstration am 5. März ist zwar zur Zeit verboten, aber das heißt noch nichts.
Im letzten Jahr wurde ebenfalls eine Verbotsverfügung ausgesprochen. Diese wurde jedoch von einem Gericht mit der Begründung aufgehoben, dass dieses Verbot grob rechtswidrig ist.
Die Stadt greift wieder auf solch eine einfallslose und höchstwahrscheinlich sinnlose Aktion zurück, um scheinbar ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu wahren.
Dass unsere Kritik an dieser Gesellschaftskonstellation nach wie vor angebracht ist, zeigt leider nur dieser klägliche Versuch. Jetzt folgt auf jeden Fall der Mobi-Jungle für unsere Demonstration am 5. März „Damit’s mal richtig sitzt!“:


(Zum Download und Verlinken)

In den nächsten Tagen werden hoffentlich weitere Informationen über den 5. März bei uns eintreffen. Wir halten euch auf den Laufenden.

Nur eine weitere Stadt auf dem Weg zur Befreiung

Dresden bereitet sich auf die großen Gedenkevents zum Jahrestag der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg vor. Es wird um das „unschuldige Dresden“ geweint und noch ein weiteres Denkmal für die unzähligen angeblichen deutschen Opfer gefordert. Dresden sollte seinen tatsächlichen Platz in der Geschichte wieder einnahmen: Eine leicht zerstörte Stadt im Nationalsozialismus unter vielen, die auf dem Weg zur Befreiung bombardiert wurde.

Und wieder steht ein 13. Februar in Dresden vor der Tür. Und wieder werden unzählige Tränen vergossen um die „unschuldige Stadt“ und die zahlreichen „Deutschen Opfer“ – oder kurz: Geschichtsrevisionismus.
Dresden wurde im Zweiten Weltkrieg im Vergleich zu anderen deutschen Städten leicht zerstört und inszeniert jedes Jahr zahlreiche Trauerveranstaltungen. Statt sich mit der vorbildlichen Rolle der Stadt im Nationalsozialismus zu befassen, werden Veranstaltungen, wie der „Täterweg“, aus versammlungsrechtlichen Gründen eingeschränkt.
Glücklich wird sich dabei die versammelte Trauergemeinschaft schätzen, dass im Vergleich zum letzten Jahr weniger Nazis in der Stadt sind. Ein bitterer Beigeschmack könnte sich breit machen im Augenblick der Selbsterkenntnis, dass das Gedenken im Kern das gleiche ist, wie bei den Nazis.
Wie universell der Opfer-Mythos geworden ist, zeigen auch andere Städte. So erscheint das Motto der bevorstehenden Nazi-Demonstration am 5. März in Chemnitz „Würdiges Gedenken statt Relativierung“, als würde es direkt aus der Feder der bürgerlichen Geschichtsrevisionist_innen stammen.

Der 13. Februar sollte auf seine historische Bedeutung zurück gestutzt werden und dies würde beuten keine kollektiven Trauerveranstaltungen, keine Trauergemeinschaft vor der Frauenkirche und die Streichung aus dem kollektiven Trauerkalender.

Keine Versöhnung mit Deutschland!

Dieses Wochenende, am Abend des 13. Februar, werden sich wieder Tausende von Menschen an der Frauenkirchen sammeln und kollektiv zu Gedenken. Die Route der Nazis ist auch bekannt und am Morgen wird die offizielle Gedenkveranstaltung aus einem Mix von Verwaltung, Bürger_innen und Nazis ihre Gränze abwerfen um zu gedenken. Die Verbrechen des Nationalsozialismus im Allgemeinen als auch die besonderen Verbrechen in Dresden werden wie immer keine Rolle Spielen – Dresden ist ja schließlich Opfer. Dieser Geschichtsrevisionismus muss gestört werden. Wir unterstützen den Aufruf von „Keine Versöhnung mit Deutschland“. Das Gedenken ist Teil der nationalen Mythos, ob es nun von Nazis gepflegt wird oder in der Dresdner Trauergemeinschaft zu Tage tritt. Deshalb kann es nur heißen:

Keine Versöhnung mit Deutschland!

Scheiße, 13. Februar schon wieder…
Der 13. Februar rückt näher. Das anlässlich des Tages aufgebotene Gedenkprogramm ist hinlänglich bekannt: Opfermythos und Versöhnungsgebrabbel hier, Menschenkette und weiße Rose da, Kranzabwurf und Kerzenabstellen dort. Dazu gibt es im besten Fall die Einweihung eines weiteren Denkmals, mindestens jedoch die lautstark erhobene Forderung das Nächste zu bauen. Tausende Nazis sind auch diesmal zu erwarten. Sie geben sich nach dem letzten Jahr, als ihr »Trauermarsch« aufgrund antifaschistisch initiierter Blockaden misslang, besonders angepisst und rufen gleich zu mehreren Demonstrationen auf. Schließlich gelte es nun, »Meinungs- und Demonstrationsfreiheit« zu verteidigen. Indirekte Unterstützung bekommen sie von den üblichen Verdächtigen, die angesichts erneut angekündigter Blockaden hyperventilieren und dadurch die »natürlich gewachsene Dresdner Gedenkkultur« bedroht sehen. Ein Problem, für das die Oberbürgermeisterin schon eine Lösung gefunden hat. Die Blockaden des Bündnisses »Dresden Nazifrei« sind für sie – ebenso wie das Heidefriedhof-Gedenken und die Menschenkette – Ausdruck der »Vielfalt der Erinnerungskultur in Dresden«. Das so eingemeindete Bündnis kontert mit dem Verweis auf die allenfalls symbolische Wirkung der Menschenkette. Diese ist aber gar nicht in erster Linie Anti-Nazi-Aktion. Der Dresdner Ordnungsbürgermeister machte die Prioritäten unlängst deutlich: »Die Menschenkette ist nicht nur Gedenken und Erinnern an die Zerstörung der Stadt und die Schrecken des Krieges. Sie ist auch ein klares Bekenntnis der Bürgerschaft gegen Rechtsextremismus.« Bezeichnenderweise war diese Feststellung nötig geworden, nachdem nun auch Nazis zur Menschenkette mobilisieren. Der Vorwurf der Symbolpolitik greift offensichtlich zu kurz. Vielmehr muss auf das beharrliche Festhalten am Opfermythos gezielt werden, dem sich eben auch die Nazis verbunden fühlen. Eine kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten Dresdner Gedenkkultur ist hierfür unverzichtbar. (mehr…)

Dresden gut, alles gut?! Zur Kritik der Erinnerungskultur in Dresden oder Jeder Stadt den Naziaufmarsch, den sie verdient

Die …umsGanze! Gruppen mobilisieren nach Dresden und rufen zu Blockaden am 19. Februar 2011 auf. Bei Egotronic TV ist die Folge 14 zum aktuellen Anlass ein Dresden Special. Zu sehen gibt es unter anderem ein Interview mit der Gruppe TOP B3rlin über das Dresdner Gedenken und warum es wichtig ist, den Nazis nicht die Straße zu überlassen. Im Anschluss befindet sich der Aufruf „Dresden gut, alles gut?! Zur Kritik der Erinnerungskultur in Dresden oder Jeder Stadt den Naziaufmarsch, den sie verdient“.

Dresden, wir haben noch lange nicht genug!
Die Ereignisse am 13. Februar 2010 in Dresden waren zumindest in einer Hinsicht ein Erfolg für alle Antifaschist/innen: Die Organisation von Massenblockaden und zahlreiche Aktionen drum herum haben das erste Mal den Großaufmarsch der Nazis anlässlich des Gedenkens an die allierten Angriffe auf Dresden in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 verhindert. Es wurde dafür gesorgt, dass sich die rechte Szene der BRD in Dresden mal wieder einig war – diesmal allerdings einig in ihrem Frust anstatt einig in ihrer Stärke. Das erfüllt uns und alle anderen Menschen, die schon so einige bitterkalte und nervtötende Tage in Dresden verbracht haben, mit großer Freude. (mehr…)

13.2|Dresden-Neustadt|Licht aus!

Licht aus! - 13. Februar ab 10:00 Dresden-Neustadt

Für alle, die am 13. Februar dem bürgerlichen Geschichtsrevisionismus in Dresden eine klare Absage erteilen wollen, wird es eine Kundgebung unter dem Motto „Gegen jeden Geschichtsrevisionismus“ am Sonntag, den 13.02. ab 10:00 in der Dresdner Neustadt (Bautzner Straße/Alaunstraße) geben. Gerade im Kontext des Jahrestages der Bombardierung Dresdens kann nur gefordert werden „Licht aus!“ für den Spirit Of Dresden:

Am 13. Februar 2011 werden sich an verschiedenen Orten in Dresden Geschichtsrevisionisten versammeln, Nazis aber auch „ehrbare Bürger“, um an die Opfer der alliierten Bombardierung zu erinnern und ihre „Trauer“ zu zelebrieren. Bürgerliches Gedenken und Nazitrauermärsche sind nicht dasselbe. Sie unterscheiden sich in ihren Motiven, in ihren Worten und Taten. Aber gleichsam verdrehen sie die Geschichte. Wir rufen dazu auf, sich am 13. Februar jedem Geschichtsrevisionismus entgegenzustellen. (mehr…)

5.3|AJZ Chemnitz|Damit’s mal richtig sitzt – Antifa-Demo am 5. März 2011 (Kurzaufruf)

Damit\'s mal richtig sitzt - Antifa-Demo am 5. März 2011

Polizeiliche Repression gegen Antifaschist_innen, eine zahnlose bürgerliche Demonstration und durch die Stadt ziehende Geschichtsrevisionisten/-innen und Antisemiten/-innen – Grund genug auf die Straße zu gehen!

Start um 11:00 Uhr am AJZ Chemnitz (Chemnitztalstraße 54)

Jährlich marschieren am 5. März, dem Jahrestag der Bombardierung von Chemnitz 1945, mehrere hundert Neonazis auf. Dies wird zum Anlass genommen einen städtischen Ausnahmezustand sowie einen zivilgesellschaftlichen Aufstand auszurufen. Eine Stadt mit dem Wunsch, neben der Universität und der Beherbergung der ältesten Bewohner_innenschaft Europas, Technikcampus-Firmen und Fachkräfte anzulocken, benötigt ein weltoffenes, friedliches und tolerantes Image. Ganz im Sinne moderner Bürgerlichkeit schreiten Demokratiebewegte jedes Jahr gegen Nazis und für Frieden ein. Leider normal ist dabei das Zusammenspiel von sogenannter Zivilgesellschaft, die die Stadt im antifaschistischen Massenspektakel verteidigen wollen, und städtischer Verwaltung und Polizei, die darum bemüht sind alles in geordnete Bahnen zu lenken.
Die geschätzten Kolleg_innen der Chemnitzer Wachtmeisterei waren immer vor Ort, um dafür zu sorgen, dass neben zivilgesellschaftlich-kommunalen Unmutsbekundungen ein reibungsloser Ablauf der Nazi-Aktionen möglich ist. Gegen einen Großteil derer, die dem neonazistischen Gedenken etwas entgegenzusetzen versuchten, steigerte sich von Jahr zu Jahr der Repressionsdruck. Die Chemnitzer Bereitschaftspolizei fiel dabei wiederholt wegen ihres aggressiven oder schlicht vorzivilisatorischen Verhaltens auf. Das Bild vom Gruppenführer, der seine abgerichteten und wild gewordenen Beamten gerade noch unter Kontrolle hat, ist ein bekanntes Motiv.

Am 5. März 2011 gilt es zu intervenieren, um den Frieden im Rahmen des Gedenkens sowie die Ordnung im Umgang mit Neonazis in der Stadt aufzukündigen!

Wenn ihr diesen Aufruf unterstützen oder Mobi-Stuff (Plakate, Flyer, Aufrufe) haben wollt, schreib uns eine eMail an antifa-chemnitz (ÄT) riseup.net (PGP Key). Weitere Banner, Texte und alles andere um den 5. März in Chemnitz könnt ihr hier finden.




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