Archiv für Juli 2011

Ein nationales Integrationsprogramm auf kommunaler Ebene

Angriffe auf Vereine und Hausprojekte sind in der Chemnitzer Region bekanntlich keine Seltenheit. Kaum macht zum Beispiel die Meldung über die Eröffnung eines Infoladens in Limbach-Oberfrohna die Runde, schon kommt es zum eruptiven (Des-)Integrationaktion die unliebsamen Mitbewohner_innen, die doch nach den Willen der Stadtgemeinschaft nicht hier her passen, in die triste Oberflächlichkeit der Dorfidylle einzuebnen.
Doch die Vollstrecker von Gemeinschaftlichkeit, langgeweilter Homogenität und Rückständigkeit – meist Nazis – betreiben das vormoderne Integrationsprojekt in den „städtischen“ Gefilden von Chemnitz spätestens seit die Eröffnung der Reitbahnstraße 84 recht öffentlich. Mit der Kündigung des Mietverhältnis war das beliebte Hassobjekt passé. Das warten auf ein neues Haus und Bewohner_innen, auf das die Zwänge eines Mietverhältnisses, die Einöde der eigenen vier Wände oder der Anpassungszwang sich entlang gesellschaftlicher und gemeinschaftlicher Konformität zu verhalten abgewälzt werden kann, dauerte nicht lange an. Neue Projektionfläche entstanden.
Und nun kam es in der Nacht des 18. Juli 2011 wieder zum spontanen Ausbruch, die vermeintlich Unangepassten in die Dorfgemeinschaft zu integrieren. Was nun konkret mehrere kaputte Scheiben damit zu tun haben, werden uns wahrscheinlich nur die Täter verraten können. Vielleicht wird der Staatsschutz nach zahlreichen Hinweisen vielleicht fündig oder, wie so oft, auch nicht.1 Die Freude der Nazis im neuen Zentrum auf der Markersdorferstraße zur Erlangung einer Gemeinschaftspsychose wird der Ausgang der Ermittlung höchstwahrscheinlich nicht trüben. Bei zahlreichen Grillaktivitäten und einem frischgemachten Garten lebt es sich im Plattenbaugebiet recht unbekümmert.
So weit, so schlecht.
Anstelle sich weiter über die chemnitzer Tristesse auszulassen, folgte nun eine Meldung der Urbanen Polemik e.V. zum Angriff auf ihre Vereinsräume:

Chemnitz – Am 18.07. gegen 23 Uhr wurde das alternative Wohn- und Kulturprojekt „Kompott“ an der Leipziger Str. 3 und 5 von ca. 15 vermummten Personen angegriffen. Die Täter waren größtenteils vermummt. Sie näherten sich dem Haus über den Konkordiapark und attackierten die Vorderseite der Häuser gezielt mit Steinwürfen, wobei zahlreiche Fensterscheiben zerstört wurden. Darunter befinden sich auch die Schaufensterscheibe des Lesecafé „Nachschlag“ im Erdgeschoss der Leipziger Str. 3 sowie die Fenster mehrere Künsterateliers.

Aufgrund der Erfahrungen mit Angriffen gegen das mittlerweile geschlossene Hausprojekt an der Reitbahnstr. 84 geht der Trägerverein des Kompott, der Urbane Polemik e.V., davon aus, dass der Angriff politisch motiviert war. Damalige Attacken gingen auch von rechtsgerichteten Tätern aus, zuletzt am 14.08.2010, als eine Feier in der Reitbahnstraße von knapp 50 vermummten Neonazis brutal überfallen wurde.
Bereits am vergangenen Donnerstag waren während einer Feier im „Kompott“ Feuerwerkskörper auf eine Menschenmenge auf dem Gehweg geworfen worden. Die Täter warfen diese aus einem fahrenden Auto. Auch der Sitz des Vereins zur Wiederbelebung kulturellen Brachlandes e.V. an der Bernsdorfer Str. 41 war jüngst Ziel von Angriffen geworden.

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