Archiv für März 2012

Endstation Brühl

Redebeitrag anlässlich der Demonstration gegen Nazi-Laden Tonsberg an der Mühlenstraße am vergangenen Freitag, den 16. März 2012. Den Flyer dazu gibt es hier.

Endstation Brühl

Nun hat es Thor Steinar endlich geschafft. In einer selbst vom sächsischen Verfassungsschutz bescheinigten Neonazihochburg wie Chemnitz war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Königswusterhausener Tochterfirma einer Dubaier Immobiliengesellschaft ihren neonazistischen Trachtentrödel in einem eigenen Geschäft zum Verkauf anbietet.
Da es aber in Chemnitz mit PC-Records, Backstreetnoise, Waffen-Army-Shoes, dem Rascal und weiteren Geschäften bereits eine gut ausgebaute Vertriebsinfrastruktur für Textilien der Marke Thor Steinar gibt, blieb wohl keine andere Wahl, als einen Stadtteil aufzusuchen, an dem die letzten zwanzig Jahre Stadtentwicklung eher vorbei gegangen sind. Ein Stadtteil, der nun außer diesem nur wenige Geschäfte und noch weniger Menschen vorzuweisen hat und in dem sich nun in Konkurrenz zu den anderen Naziläden versucht wird.

Und doch, die welche heute hier gegen das Tonsberg antreten und sich weiter engagieren wollen haben Grund genug dagegen vorzugehen. Thor Steinar verkauft seit Jahren neonazistische, den Nationalsozialismus verklärende Symbolik und unterstützt die Nazisszene. Gleichzeitig zeigt die ursprüngliche Namensgebung des Geschäfts „Brevik“ zu welch’ menschenverachtenden, offen rassistischen Aktionen sich die Marke und ihre Macher_innen bekennen. Auch für die Szene überregional muss dies wie ein Vorbeimarsch am „Gutmenschentum“ und verhassten Demokrat_innen gewesen sein, sich zum antiislamischen Attentäter Breivik bekennen zu dürfen.

Aber wir dürfen auch hier nicht vergessen, neben Breivik und allen, welche ihm öffentlich Beifall klatschen, steht seine Tat auch für einen rassistischen Diskurs in Europa und für den Hass auf Muslime und vermeintliche Ausländer_innen, den auch in der Bundesrepublik nahezu jede und jeder zweite teilt. Deutschland ist nicht bunt und will es auch nicht sein.
Demonstrieren wir heute also gegen das Tonsberg, müssen wir gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus einstehen. Dies heißt auch, das antiextremistische Auslassungen hier vollkommen deplatziert sind und dem Problem eher zusträglich sind, als es zu beheben. Aus antifaschistischer Perspektive ist klar, dass eine Veranstalterin wie Frau MdL Kliese, die sich heute hier gegen Neonazis einsetzt, mit ihrer Unterstützung für das Portal „Endstation rechts“ ihren eigentlichen Anspruch vollkommen in Frage stellt. Auf dem Portal wird nicht nur einer relativierenden, revanchistischen Extremismustheorie das Wort geredet oder geschrieben, welche Neonazis nach wie vor mit ihren Gegner_innen – also auch allen heute hier – gleichsetzt. Der Initiator des Portals Matthias Brodkorb geht hierüber aber noch weit hinaus. Während er einerseits rechten Onlineportalen Interviews gibt und in wohlwollenden Dialog mit deren Vertreter_innen tritt, äußert er sich ebenfalls positiv zu Publikationen des neu-rechten Verlags „Edition Antaios“, welcher unter anderem wohlwollend Texte des Bloggers „Fjordmann“ publiziert, aus welchen auch Anders Behring Breivik Zustimmung für sein Massaker schöpfte.
Brodkorb teilt und verbreitet damit dessen Thesen zu „Kulturmarxismus“ und Überfremdung, welche Wasser auf die Mühlen antidemokratischer Kräfte und rassistischer Bürger_innen bedeuten. Dies ist klar abzulehnen. Die Veranstalterin muss sich umgehend vom Onlineportal „Endstation rechts“ und der Extremismusformel distancieren. Die Extremismustheorie erkennt Thor Steinar lediglich als lästige Marke marginalisierter Jugendlicher. Die neonazistische Ideologie, den Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus, den diese wie ihre Eltern, Großeltern, Bekannten und Nachbar_innen schreibt sie klein und verklärt sie als randständig.
Wenn heute hier protestiert wird, dann kann es nicht um das Ansehen des Brühl, um das Image der Stadt oder die Ruhe im Wohngebiet gehen. Standortpolitische Debatten sind hier fehl am Platz. Sie negieren, dass sich Neonazis in Chemnitz nach wie vor wohl fühlen können und das nicht aufgrund eines weiteren Ladens, der ihnen bunte, teure Nazishirts vorhält sondern aufgrund einer Bevölkerung, die erst gegen Nazis aktiv wird – und sich bunt fühlt – wenn es dem eigenen Image schaden könnte.
Wie die sächsischen Behörden wird Neonazismus oft nur für seine offene Zur-Schau-Stellung gemaßregelt. Die Namen der Runen aus dem Logo von Thor Steinar muss niemand kennen, genau so wenig wie den Ort seines Firmensitzes. Man kann Neonazismus aber nur bekämpfen, wenn man ihn auch als Neonazismus begreift, seine Inhalte kennt und widerlegt und nicht als Teil eines hohlen Extremismuskonstruktes vernachlässigt. Das sollte der Veranstalterin, welche noch 2009 auf einer Veranstaltung an der Universität Jena zusammen mit ihrem Doktorvater Prof. Dr. Eckhard Jesse von der TU-Chemnitz zum Thema “Innere Sicherheit – Gefahren von Links und Rechts”auftrat, klar sein.
Solange Hanka Kliese für das Onlineportal „Endstation rechts“ schreibt und sich im Extremismustheoretisieren übt, sind mit ihr keine Aktionen zu machen. Das Bündnis „Bunter Brühl“ muss wissen, ob es konkret gegen Neonazismus vorgehen will oder nur die Lampen auf dem Brühl putzen. Davon mag der Brühl heller werden, vielleicht wird danach auch ein Buch erscheinen, wie richtig gegen Neonazis vorzugehen ist. Erfolgreiches demokratisches Engagement hat andere Ansätze. Diese sind nicht diffus bunt sondern konkret antifaschistisch. Chemnitz ist nicht bunt und es muss dies auch niemandem vorgaukeln. Es ist grau und braun wie der Brühl. Das ist kein Grund nicht gegen Neonazis vorzugehen, Freiräume zu erkämpfen, auf allen Ebenen mit allen Mitteln.

Solidarität mit antifaschistischem Engagement ja, mit antiextremistischer Augenwischerei nein!
Wüstenfüchse zu Pelzjacken, Flugschulen zum Abflug, Tonsberg freiziehen!

Antifaschistische Aktion Karl-Marx-Stadt, 16. März 2012

Hamburger Gitter zu Lancaster

Noch bevor das Kalenderblatt des 5. März 2012 aufgeblättert war, zogen die düsteren Wolken eines restriktiven Demokratieverständnisses die Stimmung in Chemnitz gen Null. Naziauflagen für eine antifaschistische Demonstration durch die Polizei – gegen welche erfolgreich geklagt wurde, sowie eine flächendeckende Kameraüberwachung der Innenstadt verhießen nichts Gutes. Letztere legitimiert durch eine an Quacksalberei grenzende Gefahrenprognose gegenüber den KritikerInnen der Gedenkkultur, NazigegnerInnen und deren potentiell gemeingefährlichen Thermoskannen. (mehr…)

Aktuelles

Hier noch einmal alles Wichtige auf einmal:

- Karte mit Anlaufpunkten
- Infotelefon: 01573-8507451
- Ermittlungsausschuss: 0341/2119313
- Ticker: http://twitter.com/5maerz
- Radio: Radio T 102.70 MHz ab 18:00

Karte

Die Karte mit den Demonstrationen, Anlaufstellen, Nazi-Läden und den extra aufgestellten Hightech-Polizeikameras findet ihr hier .

Infotelefon, EA, Ticker

Infotelefon: 01573-8507451
Ermittlungsausschuss: 0341/2119313
Ticker: http://twitter.com/5maerz
Radio: Radio T 102.70 MHz ab 18:00

Karten zum Ausdrucken mit den Demorouten, Kundgebungen und Anlaufstellen wird es morgen geben. Sie werden auch an den Kundgebungen zu haben sein. Informiert euch bevor ihr euch auf den Weg macht noch über die aktuelle Lage! Neuste Nachrichten wird es auf den Ticker am 5. März geben.

Anmeldungsstand 5. März (Update 02.03)

Durch zahlreiche Vereine und Initiativen sind mehrere Versammlungen angemeldet. Ihr könnt euch also im Rahmen des garantieren Versammlungsrechtes darauf beziehen. Karte mit Info-Ticker und EA werden in Kürze bereitgestellt. Informiert euch am 5. März noch einmal auf den Blogs!

Antifaschistische Demonstration HauptbahnhofKarte

Die Demonstration des antifaschistischen Kulturbündnis Supersonic mit dem Aufruf „Don‘t Look Back In Anger“ mobilisiert zusammen mit Chemnitz Nazifrei um 16:00 zum Hauptbahnhof.
Route:
- Hauptbahnhof
- Bahnhofsstraße
- Zwischenkundgebung am Johannisplatz
- Bahnhofsstraße
- Zwischenkundgebung am Moritzhof
- Theaterstraße
- Mühlenstraße
- Müllerstraße
- Straße der Nationen
- Carolastraße
- Hauptbahnhof

Studentische Demonstration TU Chemnitz

Der Student_innenrat der TU Chemnitz mobilisiert mit „Nazis Wegrüsseln!“ für 17:00 an die Mensa an der Reichenhainerstraße.
Route:
- Mensa Reichenhainerstraße
- Reichenhainerstraße
- Zwischenkundgebung am Pegasuscenter (Kreuzung Dittesstraße)
- Dittesstraße
- Rosenplatz
- Zschopauerstraße
- Zwischenkundgebung an Kreuzung Ritterstraße
- Anschluss an antifaschistische Demonstration

Kundgebungen
- den ganzen Tag eigentlich Rosenplatz angemeldet von Klinke e.V.
- ab 11:00 städtisches Gedenken Friedenskreuz
- ab 17:00 zahlreiche Anmeldungen innerhalb des Friedenstages als „Friedenswege“
- ab 18:00 städtisches Gedenken Kundgebung mit Oberbürgermeisterin

Voraussichtliche Naziroute
Nach offizieller Nazi-Mobi beginnt die Demo ab 18:00. Start wird dann wahrscheinlich 19:00 sein.
Route: (Richtung geändert)
- Südbahnhof
- Reichenhainerstraße
- Lutherstraße
- Bernsdorferstraße
- Reitbahnstraße
- Annenstraße
- Annabergerstraße
- Gustav-Freytag-Straße
- Reichenhainerstraße
- Südbahnhof




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