Archiv für Mai 2012

Mobilisierungsveranstaltung für das Bundesweite-AntiFa-Camp in Dortmund

Am kommenden Samstag 19. Mai findet um 19:30 uhr im Lesecafe auf der Leipziger Straße 3 ein Mobi-Vortrag für das bundesweite Antifa-Camp vom 24. August bis 02. September 2012 in Dortmund statt. Bitte kommt zahlreich! Neben Inhalt und Ziele des Camps wird auch ein Überblick über die Nazi-Szene in Dortmund vermittelt.
Nachfolgend dokumentieren wir den Camp-Aufruf weitere Informationen auf www.antifacamp.org

Dortmund ist seit Jahren für sein Naziproblem bekannt. Der „Nationale Antikriegstag” hat ähnlich wie das faschistische “Gedenken” an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung für die Naziszene. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben sich neonazistische Strukturen über Jahre hinweg durch mehrere Wohngemeinschaften und das “Nationale Zentrum” ausbreiten können. Die wichtigsten Akteure sind der “Nationale Widerstand Dortmund (NWDO)” und die “Skinhead-Front Dorstfeld”. Der NWDO ist aus Dortmunder Kameradschaftsstrukturen hervorgegangen und verfügt bundesweit über gute Kontakte. Die Skinhead-Front Dorstfeld greift immer wieder Andersdenkende und Menschen mit migrantischem Hintergrund an. Ein trauriger Höhepunkt ihrer Gewalttaten war der Mord an dem Punker Thomas Schulz 2005 durch Sven Kahlin. Vorzeitig aus der Haft entlassen war bei einem Angriff u.a. der Skinhead-Front auf die alternative Kneipe Hirsch-Q im Dezember 2010 dabei und attackierte zuletzt am 26. November 2011 mit anderen Nazis zwei Jugendliche mit türkischen Migrationshintergrund. Seine Bewährung wurde widerrufen, er sitzt wieder in Haft. Die rassistisch motivierte Ermordung des Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kubaşık am 04. April 2006 durch die Nazi-Terrorzelle “NSU” muss noch auf mögliche Verwicklungen mit den Dortmunder Neonazi-Strukturen untersucht werden. Ein ehemaliger V-Mann des NRW-Verfassungsschutzes sagte der “WAZ”, um das Jahr 2004 herum hätten NPDler aus Dortmund Kontakte zu Rechtsradikalen, u.a. zur NSU, in Thüringen aufgebaut.

Die Stadt Dortmund hat jahrelang dazu beigetragen, dass die Naziszene wachsen und sich etablieren konnte: Das Naziproblem wurde geleugnet, es gab direkte und indirekte Förderung von Naziaktivitäten. Antifaschistische Aktivitäten wurden hingegen behindert und kriminalisiert. Zahlreiche körperliche Angriffe der Nazis hatten kaum juristische Konsequenzen. Jetzt, wo kaum noch Spielraum besteht, die neonazistische Gewalt zu ignorieren, sind Veränderungen feststellbar. Der neue Polizeipräsident kündigte einen Politikwechsel an und äußerte sich z.B. positiv zu Blockaden gegen Nazi-Aufmärsche. Die Stadt kaufte das Gebäude, in dem sich das „Nationale Zentrum“ befindet, auf und kündigte den Nazis den Mietvertrag. Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt „Back Up! ” wurde gegründet und ein „runder Tisch gegen Rechts” ist in Planung. Gleichzeitig wird ein vom Bundesfamilienministerium gefördertes Projekt mit dem prägnanten Titel “Dortmund den Dortmundern” initiiert: 30 Neonazis – Kader wie Mitläufer – sollen gegen 30, demokratisch orientierte Jugendliche” antreten, um darüber zu diskutieren, wem die Stadt
Dortmund gehört und wie sie sich die Zukunft der Stadt vorstellen. So sollen Jugendliche in der konfrontativen Auseinandersetzung mit Neonazis in ihrem Demokratischen Weltbild gestärkt werden. Solchen sozialpädagogischen Ansätzen, bei denen Nazi-Kadern eine Plattform geboten wird, lehnen wir ab.

Das Camp soll ein Aufbruchssignal (nicht nur) gegen den Dortmunder Status quo setzen. Wir wollen den Aufmarsch der Nazis verhindern und ihre Mobilisierung zuvor in den „Nationalen Aktionstagen“ unterbinden. Aber noch mehr: Antisemitismus und rassistische Ausgrenzung gehen weit über den Angriff durch (staatlich besoldete und unbezahlte) Nazi-Strukturen hinaus und bauen auf breitem gesellschaftlichen Konsens auf. Antifaschistischer Widerstand muss daher auch den Alltagsrassismus bei staatlichen Behörden oder in der Flüchtlingspolitik thematisieren. Durch offensives Aufgreifen von sozialer Verarmung und Ausgrenzung wollen wir öffentlichen Raum zurückgewinnen und den Nazis mit ihren nationalistischen Parolen gegen beschissene Arbeitsbedingungen oder Leiharbeit nicht das Feld überlassen. Zudem rufen wir alle dazu auf, mit uns dafür zu kämpfen, dass der 1. September als Antikriegstag vor allem antimilitaristisch besetzt ist. Natürlich wissen wir, dass ein antifaschistisches Camp in Dortmund alles andere als eine leichte Sache ist. Aber wir halten die Zeit für überfällig, um die Autonomie antifaschistischen Widerstands wiederzuerlangen.




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