Archiv der Kategorie 'Presse'

Rechtsrock-Konzert in Chemnitz

Am Sonntag, dem 4. November ist in der Chemnitzer Arena ein Konzert der italienischen Band „Frei.Wild“ geplant. Die Band ist für ihre deutsch-völkischen und gewaltverherrlichenden Texte und Verbindungen zu rechten Parteien bekannt bzw. berüchtigt.
Örtlicher Veranstalter ist der lokale ostdeutschlandweit aktive Konzert- und Festivalveranstalter In Move, die Chemnitz Arena wird von einer Tochterfirma der Stadt Chemnitz betrieben.

Nachdem in einer Diskussion um Neonazismus und die Verbindungen zwischen Naziterrorgruppe NSU und rechter Musikszene in Günther Jauchs ARD Talksendung auch der rechte Charakter der Band Frei.Wild thematisiert wurde, sahen sich kommunalpolitisch Verantwortliche in anderen Städten in denen die Gruppe auf ihrer Tournee Station macht, wie der Oberbürgermeister von Dortmund Ullrich Sierau, genötigt, sich von der Band zu distanzieren und sich zu dem Sachverhalt zu erklären, dass die rechte Band in kommunalen Hallen auftreten kann und dort ihre Botschaften verbreiten und rechtes Publikum bedienen kann.
In Chemnitz war davon bisher nichts zu bemerken, obwohl am Sonntag mit der größten öffentlichen rechten Versammlung in der Stadt seit Jahren zu rechnen ist. Nur die Fraktion der Linken im Stadtrat distanzierte sich heute in einer kurzen Pressemitteilung von der Veranstaltung.
„Mit dem Konzert von Frei.Wild wird wieder einmal ersichtlich, wie es um das gesellschaftliche Klima in der Stadt Chemnitz bestellt ist. In Move als prominenter lokaler Veranstalter, der sonst Festivals wie With Full Force organisiert, ist sich nicht zu schade, trotz aller Kritik ein Konzert dieser aggressiv völkisch auftretenden Band zu veranstalten“, so Ulli Katlewski. „Noch in lebendiger Erinnerung dürften die Gewalt- und Morddrohungen von Fans der Band Frei.Wild gegen den Rapper Casper und die Chemnitzer Band Kraftklub sein, die bei der ARD – Veranstaltung Echo in einem Song die Auflösung der Band herbeiwünschten und sich von Nazis distanzierten.
In Move und die Chemnitz Arena wissen allerdings genau was sie tun, sie hoffen schlicht darauf, dass sich ein kauf- und saufkräftiges Publikum in Chemnitz zusammentun wird um das rechte Konzert zu besuchen.“
Mittlerweile hat sich eine Initiative bekannter Bands und Agenturen zusammengefunden, um auf die gefährlichen Entwicklungen in der Musikszene aufmerksam zu machen.

Weitere kritische Informationen zur Band Frei.Wild finden Sie unter:
- http://www.sueddeutsche.de/kultur/das-erbe-der-boehsen-onkelz-ich-dulde-keine-kritik-an-diesem-heiligen-land-1.1290307
- http://www.publikative.org/2012/10/31/frei-wild-unpolitischer-hass-auf-gutmenschen/
- http://www.publikative.org/2012/10/26/kein-frei-wild/
- http://antifameran.blogspot.it/p/freiwild.html
- Statement von Kraftklub und Casper gegen Frei.Wild

PM: 500 auf Gedenkdemo an Hoyerswerda 1991

HOYWOYbae

500 Menschen haben heute in Hoyerswerda für ein Denkmal an das rassistische Pogrom von 1991 und für eine Entschädigung der Betroffenen demonstriert. In Redenbeiträgen wurde der rassistische Polizeimord an Oury Jalloh in Dessau, rassistische Gewalt in Deutschland und die Situation von Flüchtlingen thematisiert. Die Demonstrierenden erinnerten mit Rufen wie „Wo wart ihr 91?“ daran, dass 1991 nicht nur offensichtliche Neonazis, sondern auch vermeintlich ganz normale Hoyerswerdaerinnen und Hoyerswerdaer die Wohnheime der Flüchtlinge und Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter angriffen haben.

Neonazis hatten über Facebook und Schmierereien in der Stadt angekündigt, die Demonstration zu stören. Am ehemaligen Vertragsarbeiterheim in der Albert-Schweitzer-Straße bepöbelten etwa 25 von ihnen die Demonstrierenden. Sie sangen unter anderem das volksverhetzende U-Bahn-Lied: „Eine U-Bahn von Hoyerswerda bis nach Auschwitz bauen wir“.

Mathias Buchner, Pressesprecher der Initiative „Pogrom 91“ kommentierte: „Es war schon vor unser Demo ein großer Erfolg, dass 1991 in den Hoyerswerdaer Medien tagelang ein Thema war. Bevor wird die Ereignisse im vergangenen Jahr erstmals aufgegriffen hatten, wurde 20 Jahre lang dazu geschwiegen. Dass 500 Menschen unter anderem aus Berlin, Dresden, Leipzig, Cottbus, Rostock und Mölln angereist waren, bestärkt uns in unseren Forderungen. Auch wenn es Bürgermeister, Stadtrat und Sächsische Zeitung gern leugnen: Nazis sind in Hoyerswerda sofort vor Ort, wenn ihre rechte Hegemonie zum Beispiel mit einer antirassistischen Demonstration gebrochen wird. Wir werden auch im nächsten Jahr wieder in Hoyerswerda sein: damit das rassistische Pogrom von 1991 nicht wieder in Vergessenheit gerät.“

Informationen:
www.rassismus-toetet.de
www.pogrom91.tumblr.com

Fotos:
http://www.flickr.com/photos/rassloff/sets/72157631597543825/with/8012875792/
http://www.flickr.com/photos/pm_cheung/sets/72157631598176055/
http://www.flickr.com/photos/mf-art/sets/72157631597314849/
http://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/sets/72157631597368361/
http://www.demotix.com/news/1468508/anti-racist-demonstration-against-racist-conditions-hoyerswerda>

Video Nazimob am Supermarkt:
http://archive.org/details/22.09.2012NazisInHoyerswerdagermany

Medien:
http://www.taz.de/21-Jahre-Pogrom-in-Hoyerswerda/!102210/
http://www.mdr.de/sachsen/bautzen/hoywoy-gegen-rechts100.html
http://www.lr-online.de/regionen/hoyerswerda/450-Teilnehmer-bei-Demonstration-in-Hoyerswerda;art1060,3956498

quelle: http://de.indymedia.org/2012/09/335339.shtml

Problem liegt bei Chemnitz – Protest ist notwendig!

Nazizentren abreissen!Neonazi-Szene kann sich seit Jahren ungestört in Chemnitz entwickeln. Dies liegt nicht an der Stärke der Nazis, sondern am Umgang mit ihnen durch Stadtverwaltung und Polizei. Antifaschistisches Engagement wird hier blockiert und kriminalisiert. Trotzalldem: Protestkundgebung am Freitag (18.11) um 17:00 vor dem Nazi-Zentrum in der Markersdorfer Straße 40.

„Neben den aktuellen Meldungen über die neonazistische terroristische Vereinigung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) wirkt die Eröffnung eines Nazi-Zentrums in Chemnitz-Markersdorf fast nebensächlich. Doch sollte hierbei auch angemerkt werden, dass der Käufer der Markersdorfer Straße 40 Yves Rahmel gute Beziehung zu alten Kameraden von NSU-Mitgliedern unterhält“ merkt Ulli Katlewski von der Antifaschistischen Aktion Chemnitz/AAK an und fügt hinzu: „Bei der Umsetzung eines nationalen Sozialismus hilft Rahmel tatkräftig mit. Er ist dafür bekannt, dass er sich auch mal zu Wort meldet, wenn die eigenen Kameraden bei Geschäften sich nicht stark genug für die nationalsozialistische Sache einsetzen.“

Katleski führt an: „Dass sich die Neonazi-Szene in Chemnitz so gut ausbreiten kann, liegt wohl nicht an ihrer guten Vernetzungen oder ihrer aktuellen Stärke. Zwar ist mit der Etablierung des Nazi-Labels PC Records eine gute finanzielle Grundlage geschaffen wurden, aber auch die Chemnitzer Stadtverwaltung spielt seit Jahren zweifelhaftes Spiel.“ Katlewski präzisiert: „Gerade mit dem jetzigen Bürgermeister Miko Runkel wird dieses Verhalten auf die Spitze getrieben. Die Polizeidirektion Chemnitz/Erzgebirge unter Leitung von Uwe Reißmann tut bei der Kriminalisierung von antifaschistischen Engagement ihr Übriges.“
Bei den Protesten gegen einen Nazi-Aufmarsch am 5. März dieses Jahres verhielt sich die Verwaltung eher repressiv und unkooperativ gegenüber Gegenanmeldungen. Die Polizei stellte eine Gefahrenprognose gegenüber den Protesten auf, die sie später in einer Anfrage der Landtagsabgeordneten Freya-Maria Klinger vollkommen revidierte und bei der sich der Polizeieinsatz als maßlos überzogen darstellte. Begleitet waren die Proteste durch zahlreiche gewalttätige Übergriffe von Beamtinnen/-en gegenüber Gegendemonstrant_innen.
„Wenn solch ein Handeln durch verschiedene Institutionen praktiziert wird, muss sich nicht gewundert werden, warum nur wenige Menschen sich stärker gegen Nazis engagieren. Das Problem mit Nazis in Chemnitz ist hausgemacht. Daran werden symbolische Aktionen wie die Etablierung eines Lokalen Aktionsplan nicht ändern“, merkt Katlewski an. „Ich bin zuversichtlich, dass sich am Freitag um 17:00 viele Menschen vor der Markersdorfer Straße 40 einfinden, um gegen das nationale Zentrum zu protestieren.“

Nazi-Schulungszentrum wird in Chemnitz-Markersdorf eröffnet

Vor circa einem Jahr wurde bekannt, dass ein führender Kopf der Chemnitzer Neonazi-Szene ein Haus in Chemnitz-Markersdorf gekauft hatte und dies zum NPD-Bildungszentrum ausgebaut werden soll. Am kommenden Freitag (18.11.2011) steht die erste Veranstaltung mit Olaf Rose (NPD) an. Eine zukünftige Schwerpunktverlagerung der NPD nach Chemnitz könnte somit ihren Anfang nehmen.

„Vor einer Weile kündigte die NPD mehrere Bildungszentren in Sachsen an, darunter eines in Chemnitz. Yves Rahmel kaufte ein Objekt in der Markersdorfer Straße 40. Damit wurde schnell klar, dass es sich hierbei um ein solches Bildungszentrum handeln muss“, führt Ulli Katlewski von der Antifaschistischen Aktion Chemnitz/AAK aus.
Rahmel ist Betreiber des Chemnitzer Neonazi-Labels „PC Records“, finanziert bundesweit Neonazi-Veranstaltungen und ist seit Jahren eine feste Säule der hiesigen Nazi-Szene. Wie die Veröffentlichung interner Dokumente des Zusammenschlusses sächsischen Kameradschaften „Freies Netz“ aufzeigen, spielt Rahmel eine führende Rolle bei den „Jungen Nationalendemokraten Chemnitz“. Aus den Dokumenten geht weiter hervor, dass durch die strategische Ausnutzung der NPD und der „Jungen Nationaldemokraten“ eine „NS-Ersatzorganisation“ formiert werden soll.

„Es gab eine längere Ruhephase. Mittlerweile häufen sich aber die Aktivitäten im Haus an der Markersdorferstraße“, schildert Katlewski und führt weiter aus: „Neben bekannten Nazis aus Chemnitz wurden immer wieder Nazis aus anderen sächsischen Regionen gesehen. Mit der kommenden Veranstaltung soll das Haus offiziell eröffnet werden.“
Am kommenden Freitag, den 18.11.2011, soll eine Veranstaltung im Haus stattfinden. Als Vertreter der NPD wird der parlamentarische Berater im sächsischen Landtag Olaf Rose für einen Vortrag erwartet.

Katlewski befürchtet „Ein solches Objekt stellt einen großen Konfliktherd dar. In anderen Städten geht mit der Aktivität von Nazizentren immer wieder eine Bedrohung für Menschen einher, die nicht in das Weltbild von Nazis passen. Mit der Eröffnung eines NPD-Büros oder weiteren neonazistischen Propaganda-Veranstaltungen wird sich diese Bedrohung nicht verringern.“

Täter/-innen gibt es genug – Zeug_innen gesucht!

Die Auswertung der Ereignisse am 5. März wirft ein schlechtes Licht auf den Einsatz der Polizei: Grundrechte wurden missachtet und Menschen fahrlässig verletzt. „Politisch motivierte Straftaten gingen an diesem Tag von der Polizei aus und nicht von den Demonstrant_innen, die gegen den Naziaufmarsch protestierten.“, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der Demonstration „Damit’s mal richtig sitzt“.
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Medienüberblick zum 5. März

Außer Friedenstag nichts gewesen? So zumindest klang es in der Freien Presse. Ritter Miko Runkel, ausgezogen die Ordnung in Chemnitz zu wahren, findet in einem Interview alles in Ordnung. Die Demonstrant_innenzahlen werden vom Polizeisprecher Frank Fischer in die Höhe getrieben. Rechtsbrüche an der Kundgebung durch die Polizei an der Kundgebung Am Wall werden nicht thematisiert. Die Bürgermeisterin Barbara Ludwig rennt filmreif in Richtung der Polizeikette und wird freundlichst aufgehalten, im Gegensatz zu anderen Personen später an der Zentralhaltestele. Es scheint, als wäre der Demokratiesimulator wieder angeworfen, um einmal wieder zu demonstrieren, wie tolerant und demokratisch Chemnitz sei – welch schlechte Schmierenkomödie.

Sachsen Fernsehen
- Bilanz Polizeieinsatz – Chemnitzer Friedenstag
- Diskussion um Friedenstag
- Chemnitzer Friedenstag 2011 – VIDEO
- Kundgebung an der Mühlenstraße
- Situation am Chemnitzer Hauptbahnhof gegen Mittag (Nazi-Demo)
- Antifaschistische Demonstration
- OB Ludwig ruft zum friedlichen Protest auf
- 9.00 Uhr Städtischer Friedhof – Kranzniederlegung
- Aktuell: Straßensperrungen in Chemnitz
- Chemnitzer demonstrieren gegen NPD-Aufmarsch
- Stadt muss NPD marschieren lassen
- Polizeieinsatz am 5. März 2011 in Chemnitz
- Nazi-Aufmarsch: Chemnitz prüft weiteres Vorgehen

Freie Presse
- Demokratiedebatte nach Friedenstag
- Polizei mit 1400 Beamten im Einsatz
- Chemnitz: Weniger Gegendemonstranten als erwartet
- Chemnitzer protestieren gegen NPD-Aufmarsch
- Ticker zum Chemnitzer Friedenstag
- Kritiker äußern Bedenken zum Gedenken

Neues Deutschland
- Chemnitz: Polizei setzt Aufmarsch von Neonazis mit Härte durch

Endstation Rechts
- Neonazi-Aufmarsch in Chemnitz

Sächsische Zeitung
- Heute droht uns der Ausnahmezustand
- Chemnitzer protestieren gegen NPD-Aufmarsch

Stern
- Über 1000 Chemnitzer demonstrieren gegen Neonazi-Aufmarsch

Lausitzer Rundschau
- Osten wehrt sich gegen Rechtsextreme

Bild Zeitung
- Chemnitzer protestieren gegen NPD-Aufmarsch
- Grüne: Polizei schüchtert Chemnitzer Bürger ein

AFP
- Über 1000 Chemnitzer demonstrieren gegen Neonazis

Welt
- Chemnitzer protestieren gegen NPD-Aufmarsch

MDR
- MDR Sachsen Spiegel
- MDR Aktuell
- Kritik an Chemnitzer Polizei bei NPD-Aufmarsch

verschiedene Videos
- Sitzblockade an der Bahnhofstraße wird entfernt (Kreuzung Zschopauer-/Bahnhofsstr.)
- Mehr Polizei als Nazis auf Demo (Kreuzung Zschopauer-/Bahnhofsstr.)
- Polizei schützt Demoroute der Nazis (Zentralhaltestelle mit Polizeikette)
- Räumung Kreuzung Reitbahn-/Bahnhofsstr.
- Antifa-Demo, Kundgebung an der Müllerstr., Räumung Zentralhaltestelle
- Antifaschistische Demonstration Chemnitz (Müllerstraße)
- Zentralhaltestelle wird geräumt (vom Parkhaus gefilmt) (1, 2)
- Protest am Berg an Zentralhaltestelle
- Protestzug läuft Nazis über Theaterstraße nach (1, 2)
- Protest auf Kundgebung an Mühlenstraße (leicht erhöht) (1, 2)
- Protest auf Kundgebung Mühlenstraße
- Bilder vom „Polizeiaufmarsch“ in Chemnitz Teil 1, Teil 2
- Polizei hält „gefährlichen Störer“ fest
- Räumung Kreuzung Reitbahn-/Bahnhofsstraße (1, 2)
- Bilder vom Marx Monument
- Protest an Zentralhaltestelle mit Polizeikette nach Räumung
- Protest an Zentralhaltestelle mit Polizeikette – Polizeiautos ziehen durch (1, 2)
- Nazi-Demonstration an der Georgstraße
- Sitzblockade auf der Mühlenstraße

Chemnitz: Das hat gesessen.

Damit's mal richtig sitzt

Fazit zum Naziaufmarsch am 5. März in Chemnitz: Ein totales Versagen der Stadverwaltung ermöglichte es 500 Neonazis, flankiert von prügelnden Polizeieinheiten, ihre Demonstration um den Innenstadtring abzuhalten. Die Ankündigung der Polizei den friedlichen Protesten gegen die Nazis den Krieg zu erklären, wurde heute verwirklicht.
“Das vor der Demonstration durch die Polizei und die Presse aufgemachte Feinbild vom gewaltbereiten Demonstranten stellte sich als Wahnkonstrukt heraus. Gedeckt durch den Ordnungsbürgermeister Miko Runkel kesselte und prügelte die Polizei in Chemnitz friedliche Blockadeversuche auseinander, um den Nazis Platz zu machen”, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der Demonstration “Damit’s mal richtig sitzt”. (mehr…)

Chemnitz: Es krankt an der Runkel und das Reißmann

Letzte Vorinformationen zu den Protesten gegen den morgigen Naziaufmarsch in Chemnitz
Mit großer zeitlicher Verzögerung ergingen heute die Bescheide für die angemeldeten Gegendemonstrationen und Kundgebungen gegen den morgigen Naziaufmarsch in Chemnitz. Was sich abzeichnet ist der schlimmste zu erwartende Fall: die Nazis sollen über den Innenstadtring marschieren und die Polizei wird morgen versuchen, sämtliche Gegendemonstrationen und Kundgebungen weiträumig vom Naziaufmarsch zu trennen.

Die vom Alternativen Jugendzentrum startende Demonstration bekam durchs Chemnitzer Ordnungsamt die Auflage erst eine Stunde nach den Nazis den Punkt Georgstraße, eine Verbindungsstraße zwischen Hauptbahnhof und Innenstadtring, passieren zu dürfen. „Es ist damit zu rechnen, dass aus unserer Demonstration ein wandernder Kessel wird, der bei der Kundgebung am Zöllnerplatz festgehalten wird. Das könnte dort sechs Stunden dauern. Wir werden auf jeden Fall demonstrieren, wer sich aber unter diesen schwierigen Bedingungen nicht beteiligen möchte, sollte sich zur Gegenkundgebung am Karl-Marx-Monument an der Brückenstraße aufmachen.“ Die Organisator_innen werden etwaige Behinderungen im Nachhinein zum Thema machen. „Der Polizeieinsatz wird unter anwaltlicher und journalistischer Beobachtung stehen“.
Die Bedingungen für antifaschistischen Protest stellen sich in Chemnitz wieder einmal als sehr hart heraus. Die Kritik des Aufrufs an den gesellschaftlichen Strukturen in Chemnitz, als Prophezeiung, droht sich zu verwirklichen. „Noch bleibt zu hoffen, dass die Proteste entschlossener sein werden, als im letzten Jahr. Die kursierenden Aufrufen kündigen dies allerdings nicht an“, so Ulli Katlewski. Ansonsten bliebe nur die alte Einschätzung zu konstatieren, dass in Chemnitz keine nennenswerte handlungsfähige Zivilgesellschaft existiert. Das heißt eine ausreichende Menge an bewusst agierenden Menschen, die in der Lage wäre, sich selbstständig Nazis und den Zuständen, die ihre Präsenz in Chemnitz ermöglichen, entgegenzustellen. „Entweder es gelingt morgen doch noch ein wundersamer Erfolg, der den Aufmarsch der Nazis stoppt oder es bleibt nur zu hoffen, dass sich wenigstens die wohlfeilen Bekenntnisse der Köpfe der hiesigen Stadtgesellschaft in den Augen ihres Publikums als das kenntlich machen, was sie sind, bedeutungsloses Geschwätz im Jargon der Demokratie. Was fällt, das soll man stürzen“, so Ulli Katlewski. „Insbesondere sollte nach dem politischen Desaster für die Stadt ein Rücktritt des Ordnungsbürgermeisters Miko Runkel die Konsequenz sein. Der Bürgermeister, der sonst gern in Law and Order-Manier auf die Jagd nach Missetätern geht, weigerte sich, die Verbotsverfügung für die Nazi-Demonstration zu unterschreiben. Im dieses Jahr verzichtet er sogar auf seine geliebte Faschingslaune und hat sich seit Dienstag lieber krank gemeldet und aus der Verantwortung verabschiedet. Gute Besserung und weiteres närrisches Treiben“, wünscht Ulli Katlweski. (mehr…)

Chemnitz: Polizei gegen Zivilcourage

Ein angestrebter Versuch, den Naziaufmarsch am 5. März durch ein städtisches Verbot zu verhindern, ist mit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Chemnitz gescheitert, wenn die Stadt nicht noch Einspruch vor dem Oberverwaltungsgericht Bautzen erhebt. “Daher erwarten wir am Samstag über 1000 Nazis. Das wäre dann der größte Nazi-Aufmarsch seit 1945”, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der Demonstration „Damit’s mal richtig sitzt“. Die Polizei bereitet in der Zwischenzeit einen Ausnahmezustand für Chemnitz vor.

„Die Polizei erklärt in Chemnitz den Bürgerkrieg“, meint Katlewski. „Die Ausweisungen von Kontrollzonen in der heutigen Mitteilung der Polizei stellt ein Szenario vor, welches alle Bürger_innen der Stadt zum Feindbild der Polizei erklärt. Mit der Herausgabe eines Flyers, der Blockaden als rechtswidrig darstellt, positioniert sich die Polizei klar auf der rechten Seite.“
Fast ein Drittel des Stadtgebietes ist als Zone markiert, in der grundrechtsentziehende Maßnahmen gestattet sind. Ein solches Vorgehen der Polizei hatte sich schon dadurch angekündigt, dass das Ordnungsamt und Versammlungsbehörde die Situation achselzuckend hinnimmt und schon andeuteten das Feld der Polizei an diesem Tag zu überlassen. Die Versammlungbehörde geht an diesen Tag auf Tauchstation. Aufgrund der bevorstehenden Überlastung sollen sich die Anwesenden an die Polizei zu wenden, gab die Behörde zu verstehen. „Mit ihrem Verhalten gibt die Verwaltung ihrer Kompetenzen komplett an die Polizei ab und öffnet Tür und Tor für polizeiliche Willkür.Was wir in Chemnitz erleben ist so etwas wie Kavala Light. Fehlen nur noch die Düsenjäger“,höhnt Katlewski.

Chemnitz – Kein Ort für Nazis?

Am nächsten Samstag, dem 5. März wird unter dem Motto „Damit’s mal richtig sitzt“ in Chemnitz eine antifaschistische Demonstration stattfinden. Die Demonstration ist ein Protest gegen den, an diesem Tag geplanten, Aufmarsch von Neonazis in der drittgrößten sächsischen Stadt und wendet sich darüber hinaus grundsätzlich gegen das bestehende Naziproblem in Chemnitz.
„Chemnitz ist kein Ort für Nazis“, so die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig, die das Bündnis für Frieden und Toleranz unterstützt. „So schön zu lesen diese Äußerung der Oberbürgermeisterin als Wunsch oder Aufruf auf den ersten Blick vielleicht ist, so leicht ist sie mit wenigen hässlichen Belegen als Fehlbeurteilung der Wirklichkeit zu blamieren. Mit einem geplanten NPD – Schulungszentrum, mit mehreren Naziläden und Treffpunkten der Kameradschaftsszene, mit internationalen Kontakten der Chemnitzer Nazis und einer fest verankerten rechten Fankultur beim CFC ist Chemnitz viel eher als Ort zu betrachten, der für die Naziszene Rückzugsräume und starken organisatorischen Hintergrund bietet“, so Ulli Katlewski vom Vorbereitungskreis der antifaschistischen Demonstration „Damit’s mal richtig sitzt“.
Die Geschehnisse um den 5. März zeigen jedes Jahr, wie vernetzt die Nazistrukturen in und um Chemnitz sind und wie wenig ihnen bisher entschieden entgegengesetzt wird. „Doch in Deutschland einfach Orte zur nazifreien Zone erklären zu wollen, ist ohnehin nur der Versuch gute PR für den eigenen Standort zu machen“, so Ulli Katlewski. „Das ist ja bekannt.“

Beginnen wird die Demonstration um 11:00 Uhr beim Alternativen Jugendzentrum Chemnitz auf der Chemnitztalstraße 54. Die Demonstration wird dann über die Chemnitztalstraße, die Müllerstraße, die Strasse der Nationen über Bahnhof, Bahnhofsstraße bis zur Brückenstraße und dem Marx-Monument verlaufen. (mehr…)




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