Archiv der Kategorie 'Texte'

Informiert euch !

Auf folgenden Seiten bekommt ihr Infos über den 5.März 2013

Angry People
Chemnitz Nazifrei
Schülerzeitung fünfterdritter

Und einige Tipps:

Was tun wenn’s brennt? (Text)
Da es immer wieder Expert_innen gibt, die sich scheinbar immer noch nicht über den „richtigen“ Umgang auf einer Demonstration im öffentlichen Raum in aller Legalität bewusst sind, folgt hier noch einmal das Demo 1×1 der Roten Hilfe.

Check-Liste (Text)
Hier haben Skillsforaction eine kleine Check-Liste zusammengestellt, was ihr beachten und mitnehmen solltet und was ihr besser zu Hause lasst.


Broschüre zu Bezugsgruppen
(PDF)
„Was soll das? Wir haben in der letzten Zeit immer wieder das Gefühl gehabt, dass bei Demos und Aktionen immer mehr Menschen alleine unterwegs sind. Sie scheinen so wenig informiert zu sein, dass sie z.B. nicht wissen, was der EA ist oder ziellos durch die Gegend laufen und häufig schnell panisch wegrennen…“

No Camera No Problem (Text)
Informationen zu Fotoaufnahmen
„Viele von Euch besitzen ein Handy, eine Digitalkamera oder sogar eine Videokamera. Viele nehmen zumindest ihr Handy mit auf Demonstrationen; dies ist sicherlich sinnvoll, wenn es um spontane organisatorische Dinge oder einen Anruf beim EA geht. Allesdings machen viele auch Aufnahmen oder Fotos von eventuellen direkten Aktionen. Diese Aufnahmen können im Nachhinein für Ärger sorgen.“

Über den Wolken…

Die Auseinandersetzungen mit neonazistischen Gedenkaufmärschen im Kontext der Bombardierung deutscher Städte im Verlauf des Zweiten Weltkriegs waren schon immer mehr als ‚simple’ Proteste gegen Neonaziaufmärsche oder -läden. Denn während es dort relativ einfach ist sich zumindest verbal von menschenverachtendem Gedankengut zu distanzieren oder die Problematik unter einer Standortdebatte zu verhandeln, hat der bürgerliche Protest im Rahmen des Gedenkens auch immer das Ansinnen, Inhalte zurück zu erobern und ins rechte Licht zu rücken. Da wird gestritten, das Gedenken nicht zu ‚instrumentalisieren’ ohne aber das Anliegen der Nazis ernst zu nehmen und sich zu fragen, warum sich gerade die Bombardierungstrauerfeiern so hervorragend in ein neonazistisches Weltbild eingliedern. Selbstverständlich: Die Rhetorik stößt an. ‚Bombenholocaust’ und ‚alliierte Luftgangster’ sind unpässliche Begrifflichkeiten bei der Inszenierung einer geläuterten und weltoffenen deutschen Nation.

Nachdem bereits Anfang Januar 3000 Menschen in Magdeburg gegen 900 Nazis demonstriert haben und dabei die handfeste Durchsetzung des Versammlungsrechts für menschenverachtende Anliegen erfahren mussten, erhob sich nun Dresden in den bundesweiten Medienspiegel, um seinen Logenplatz im Gedenkzirkus einzunehmen.

Wieder lagen Kränze am Heidefriedhof. Wieder war jedes fünfte Auto der Polizei zuzuordnen. Wieder gab es ein Schaulaufen für Hamburger Gitter. Wieder reichen sich Menschen mit friedlichem Pathos die Hände. Wieder entzündeten Neonazis ihre Fackeln.
Immerhin: 2000 Menschen setzen die Geschichte der Täter in den Vordergrund, um zumindest ein Gegengewicht zum Mythos der unschuldigen Stadt zu setzen. Glaubt man so einigen Stimmen wurde dort selbstverständlich nur Kunst und Kultur gehortet und sonst nichts. Die Welt veröffentlichte zur Feier des Tages einen ‚bisher unveröffentlichten Zeitzeugenbericht’, in dem die alte Mär von Phosphor und ‚entsetzlichen Zahl von Toten’ unkommentiert wieder aufgewärmt werden durfte. Der Mythos bleibt am Gedenken haften wie die Unschuld an den Deutschen.

Wenn es aber dazu kommt, dass ein paar Dutzend Menschen an der Frauenkirche ein Lied singen, ist es ganz schnell vorbei mit Versöhnung und Frieden. Da rennen behelmte Beamtinnen und Beamte umher um Singsang zu unterbinden, stoßen Menschen zu Boden und meinen ihrer Pflicht nachzukommen, wenn sie singenden Menschen ihre Personalien abnötigen und wie Kriminelle vor Einsatzwagen einkesseln. Die Einsatzkräfte werden zu willfährigen Vollstreckern einer Inszenierung eines angeblich richtigen Gedenkens. Wer das nicht versteht, verwirkt sein Recht auf Anwesenheit.

Und dann kündigt sich langsam wieder Chemnitz an: Die ersten Mobilisierungsvideos kursieren im Internet und die Stadt plant ihre Gegentrauer. Während in Dresden der Großteil des antifaschistischen Protests nicht das Gedenken abschaffen will, aber den Mythos (zumindest symbolisch), ebenso aufs Korn nimmt wie die Nazis, bleibt Chemnitz die zarte Pflaume des Ostens. Glücklicherweise wissen die Chemnitzerinnen und Chemnitzer seit letztem Jahr durch den ehemaligen Kandidaten der christlich-fundamentalistischen ‚Partei Bibeltreuer Christen’ (jetzt Bundestagsmitglied für die CDU) Frank Heinrich, dass das Chemnitzer Antinazibündnis nicht Gefahr läuft den „antideutschen, antidemokratischen und kommunistischen Antifa-Pöbel“ zu unterstützen. Man kann sich das tausendfache erleichterte Aufatmen vorstellen, welches die Chemnitzer Ruhe nach dieser Entwarnung durchstieß!
Schuldig bleibt man allerdings den Nachweis, wer und wo denn dieses antidemokratische und antideutsche Gesindel ist. Scheinbar sind dir Forderungen zur Abschaffung des Rechtstaats, des generellen Parteienverbots und der Streichung von Goethes Werken im Lehrplan im dicken Ruß der brennenden Barrikaden in der Innenstadt einfach untergegangen.

Im Angesicht der Diskussion rund um die Bombardierung, das Gedenken und die Identität ist der Tage zumindest ein Buch erschienen, mit dem programmatischen Titel „Gedenken abschaffen“, welches verschiedenste Kritikbeiträge am „Diskurs zur Bombardierung Dresdens“ vereint. Matthias Neutzner mäkelt für den MDR Figaro zwar am „selbstgerechten Grundton“ des Buchs herum und meint dem „Verdikt mühelos beizukommen“ – gesteht den Autorinnen und Autoren aber immerhin „die Notwendigkeit der gesellschaftlichen Debatte um Vergangenheit und Zukunft“ zu. Es ist mit Sicherheit ebenfalls eine Leseempfehlung für Chemnitzer Gedenkdiskussions-Freundinnen und Freunde – sofern überhaupt mal über den Kern des Tages gesprochen wird.

Was aber erwartet uns dieses Jahr in Chemnitz? Vielleicht wieder eine dem G8 Gipfel in Heiligendamm würdige Sperrzone, in der Nazis seelenruhig ihre Verbalfäkalien fröhnen können. Jedoch sicherlich wird ein völlig geläutertes Gedenken zelebriert, welches mal wieder die Binsenweisheit präsentiert, dass Krieg Leid verursacht und es ganz bestimmt schafft, die Form vom Inhalt zu trennen. Sicher werden wir nicht davon lesen und hören dürfen, dass man eine historisierende, staatlich unterstützte Identitätskonstruktion kritisch reflektiert. Bestimmt nicht. Versprochen.

Endstation Brühl

Redebeitrag anlässlich der Demonstration gegen Nazi-Laden Tonsberg an der Mühlenstraße am vergangenen Freitag, den 16. März 2012. Den Flyer dazu gibt es hier.

Endstation Brühl

Nun hat es Thor Steinar endlich geschafft. In einer selbst vom sächsischen Verfassungsschutz bescheinigten Neonazihochburg wie Chemnitz war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Königswusterhausener Tochterfirma einer Dubaier Immobiliengesellschaft ihren neonazistischen Trachtentrödel in einem eigenen Geschäft zum Verkauf anbietet.
Da es aber in Chemnitz mit PC-Records, Backstreetnoise, Waffen-Army-Shoes, dem Rascal und weiteren Geschäften bereits eine gut ausgebaute Vertriebsinfrastruktur für Textilien der Marke Thor Steinar gibt, blieb wohl keine andere Wahl, als einen Stadtteil aufzusuchen, an dem die letzten zwanzig Jahre Stadtentwicklung eher vorbei gegangen sind. Ein Stadtteil, der nun außer diesem nur wenige Geschäfte und noch weniger Menschen vorzuweisen hat und in dem sich nun in Konkurrenz zu den anderen Naziläden versucht wird.

Und doch, die welche heute hier gegen das Tonsberg antreten und sich weiter engagieren wollen haben Grund genug dagegen vorzugehen. Thor Steinar verkauft seit Jahren neonazistische, den Nationalsozialismus verklärende Symbolik und unterstützt die Nazisszene. Gleichzeitig zeigt die ursprüngliche Namensgebung des Geschäfts „Brevik“ zu welch’ menschenverachtenden, offen rassistischen Aktionen sich die Marke und ihre Macher_innen bekennen. Auch für die Szene überregional muss dies wie ein Vorbeimarsch am „Gutmenschentum“ und verhassten Demokrat_innen gewesen sein, sich zum antiislamischen Attentäter Breivik bekennen zu dürfen.

Aber wir dürfen auch hier nicht vergessen, neben Breivik und allen, welche ihm öffentlich Beifall klatschen, steht seine Tat auch für einen rassistischen Diskurs in Europa und für den Hass auf Muslime und vermeintliche Ausländer_innen, den auch in der Bundesrepublik nahezu jede und jeder zweite teilt. Deutschland ist nicht bunt und will es auch nicht sein.
Demonstrieren wir heute also gegen das Tonsberg, müssen wir gegen Neonazismus, Rassismus, Antisemitismus einstehen. Dies heißt auch, das antiextremistische Auslassungen hier vollkommen deplatziert sind und dem Problem eher zusträglich sind, als es zu beheben. Aus antifaschistischer Perspektive ist klar, dass eine Veranstalterin wie Frau MdL Kliese, die sich heute hier gegen Neonazis einsetzt, mit ihrer Unterstützung für das Portal „Endstation rechts“ ihren eigentlichen Anspruch vollkommen in Frage stellt. Auf dem Portal wird nicht nur einer relativierenden, revanchistischen Extremismustheorie das Wort geredet oder geschrieben, welche Neonazis nach wie vor mit ihren Gegner_innen – also auch allen heute hier – gleichsetzt. Der Initiator des Portals Matthias Brodkorb geht hierüber aber noch weit hinaus. Während er einerseits rechten Onlineportalen Interviews gibt und in wohlwollenden Dialog mit deren Vertreter_innen tritt, äußert er sich ebenfalls positiv zu Publikationen des neu-rechten Verlags „Edition Antaios“, welcher unter anderem wohlwollend Texte des Bloggers „Fjordmann“ publiziert, aus welchen auch Anders Behring Breivik Zustimmung für sein Massaker schöpfte.
Brodkorb teilt und verbreitet damit dessen Thesen zu „Kulturmarxismus“ und Überfremdung, welche Wasser auf die Mühlen antidemokratischer Kräfte und rassistischer Bürger_innen bedeuten. Dies ist klar abzulehnen. Die Veranstalterin muss sich umgehend vom Onlineportal „Endstation rechts“ und der Extremismusformel distancieren. Die Extremismustheorie erkennt Thor Steinar lediglich als lästige Marke marginalisierter Jugendlicher. Die neonazistische Ideologie, den Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus, den diese wie ihre Eltern, Großeltern, Bekannten und Nachbar_innen schreibt sie klein und verklärt sie als randständig.
Wenn heute hier protestiert wird, dann kann es nicht um das Ansehen des Brühl, um das Image der Stadt oder die Ruhe im Wohngebiet gehen. Standortpolitische Debatten sind hier fehl am Platz. Sie negieren, dass sich Neonazis in Chemnitz nach wie vor wohl fühlen können und das nicht aufgrund eines weiteren Ladens, der ihnen bunte, teure Nazishirts vorhält sondern aufgrund einer Bevölkerung, die erst gegen Nazis aktiv wird – und sich bunt fühlt – wenn es dem eigenen Image schaden könnte.
Wie die sächsischen Behörden wird Neonazismus oft nur für seine offene Zur-Schau-Stellung gemaßregelt. Die Namen der Runen aus dem Logo von Thor Steinar muss niemand kennen, genau so wenig wie den Ort seines Firmensitzes. Man kann Neonazismus aber nur bekämpfen, wenn man ihn auch als Neonazismus begreift, seine Inhalte kennt und widerlegt und nicht als Teil eines hohlen Extremismuskonstruktes vernachlässigt. Das sollte der Veranstalterin, welche noch 2009 auf einer Veranstaltung an der Universität Jena zusammen mit ihrem Doktorvater Prof. Dr. Eckhard Jesse von der TU-Chemnitz zum Thema “Innere Sicherheit – Gefahren von Links und Rechts”auftrat, klar sein.
Solange Hanka Kliese für das Onlineportal „Endstation rechts“ schreibt und sich im Extremismustheoretisieren übt, sind mit ihr keine Aktionen zu machen. Das Bündnis „Bunter Brühl“ muss wissen, ob es konkret gegen Neonazismus vorgehen will oder nur die Lampen auf dem Brühl putzen. Davon mag der Brühl heller werden, vielleicht wird danach auch ein Buch erscheinen, wie richtig gegen Neonazis vorzugehen ist. Erfolgreiches demokratisches Engagement hat andere Ansätze. Diese sind nicht diffus bunt sondern konkret antifaschistisch. Chemnitz ist nicht bunt und es muss dies auch niemandem vorgaukeln. Es ist grau und braun wie der Brühl. Das ist kein Grund nicht gegen Neonazis vorzugehen, Freiräume zu erkämpfen, auf allen Ebenen mit allen Mitteln.

Solidarität mit antifaschistischem Engagement ja, mit antiextremistischer Augenwischerei nein!
Wüstenfüchse zu Pelzjacken, Flugschulen zum Abflug, Tonsberg freiziehen!

Antifaschistische Aktion Karl-Marx-Stadt, 16. März 2012

Der unbewusste Zwang zur Konformität

Redebeitrag der Antifaschistichen Aktion Chemnitz / AAK gehalten am 9. Oktober 2010 in Freiberg auf der Demonstration „Hier leben? Nein Danke!“ der antifaschistischen Gruppe Freiberg:

Die Chemnitzer Öffentlichkeit stellt sich als eine bemerkenswert friedliche dar: Wer durch Chemnitz läuft, wird feststellen, dass es außer organisierter Langeweile nichts zu geben scheint. Wo in so mancher Innenstadt nach 22 Uhr noch Menschen unterwegs sind, kann der Bürgersteig in Ruhe vor Belastung friedlich schlummern. Die großen Zufahrtsstraßen mutieren für vereinzelte Nachtwander_innen zu gut gepflegten Wanderwegen. Im Bereich des Brühls ereignet sich eine Realsatire: Mit Zeugnissen einer Streetart-Szene wird Lebendigkeit suggeriert, wo keine mehr ist. Wen stört ein provokantes Graffiti, wenn die Personen doch gar nicht mehr da sind, die es stören könnte?
Genau an der Grenze der Barbarei, zwischen Dörflichkeit und Stadt – einem Relikt was früher einmal „Stadt“ hieß, ereignen sich die drastischten Zeugnisse des Umbruchs zur Post-Urbanität. An diesem soll exemplarisch illustriert werden, was diese Prozesse gesellschaftlich bedeuteten und welche Exzesse mit dieser Transformation verbunden sind. (mehr…)

Mahnwache als Reaktion auf antisemitischen Übergriff

Am vergangenen Montag rief die Chemnitzer Tafel zu einer Mahnwache am Schalom auf der Carolastraße auf. Vorausgegangen war ein Übergriff auf das Lokal1. Bei diesem wurden die davor stehenden Laternen beschädigt, der Briefkasten wurde zertreten und das Gebäude bespuckt und dagegen uriniert. Die Täter_innen konnten bisher noch nicht festgestellt werden.

Zu der besagten Mahnwache begaben sich ab 18:00 etwa 50 Personen. Schon bei der Ankunft fiel eine Reihe „merkwürdig anmutender“ Schilder auf. Mit Symbol-Kombinationen wie „Deutschlandfahne-Herz-Israelfahne“ oder „Sachen Wappen-Magen David“ mit Aufschrift „Wir stehen bei euch“ sollte scheinbar auch eine „deutsche“ Solidarität demonstriert werden.
Zahlreiche spontane Redner_innen hatten sich im Vorfeld gemeldet. Die Organsator_innen der Chemnitzer Tafel begangen mit ihren.
Der Kritikpunkt, der der Tafel am wichtigsten erschien, war der Vandalismus der heutigen Zeit. Auch die anschließenden Redner_innen sahen eher ein Problem mit dem Vandalismus. Erst Petra Zais vom Mobilen Beratungsteam brachte das Wort Antisemitismus über die Lippen. Eine Person von den sächsischen Israelfreunden sagte, dass es jeden Monat über antisemitische Übergriffe aus Sachsen zu berichten gäbe. Andre Löscher von der Opferberatung betonte, dass es wichtig sei, den Angriff als solches einzuordnen, was er sei: Ein Angriff mit politischen Hintergrund.
Als letzter Redner trat der Besitzer Uwe Dziuballa des Schaloms hervor. Er sprach über die zahlreichen Übergriffe, die es seit dem Bestehen des Schaloms gab und welche Reaktionen diese hervorriefen. Anstatt Solidarität gab es Anfeidungen nach Angriffen: Warum das Haus den so verwahrlost aussehe oder die Aufforderung endlich seinen Dreck weg zumachen. Das Handeln der Polizei nach solchen Übergriffen konnte er nur als hilflos bezeichnen.
Mit dem Verweis auf die Aktualität des Antisemitismus und des Trauertags in Israel am 12.04., mit dem der sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden der Shoa gedacht werden sollte, wurde eine Trauerminute eingelegt.

Die Kontinuität der Angriffe auf das Schalom, als auch der Übergriff auf das jüdische Gemeindezentrum am heutigen Donnerstagmorgen2 zeigt, dass der Bedeutung des Antisemitismus nach wie vor zu wenig Beachtung geschenkt wird. Eine Reflexion über die Ursachen, die tief in der bürgerlichen Gesellschaft zu suchen sind, ist notwendig. Dabei sollte nicht nur eine Kritik an den offensichtlichen Erscheinungen geübt werden – in Form von Übergriffen zum Beispiel – sondern auch an den strukturellen Phänomenen.

  1. http://www.polizei.sachsen.de/pd_ce/8277.htm
    http://www.mdr.de/sachsenspiegel/7235571.html [zurück]
  2. http://www.polizei.sachsen.de/pd_ce/8308.htm
    http://www.mdr.de/sachsen/7251975.html [zurück]

Ein zivilgesellschaftliches Schauspiel

Aus den Erfahrungen des letzten Jahren mit den immer größer werdenden Nazi-Aufmärschen sollte bereits im Herbst 2009 eine Lehre gezogen werden. Aus diesem Grund gab es die Idee einer Bündnisgründung speziell für den 5. März 2010. Beteiligt waren verschiedene zivilgesellschaftliche Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und antifaschistische Gruppen. Schon im Vorfeld wurde angekündigt, eine Kundgebung vor dem Kinderheim in Bernsdorf anzumelden, um diesen Platz zu besetzten für etwaige Kundgebungen von Nazis. Wenig später wurde eine antifaschistische Demonstration angemeldet um einen möglichen Nazi-Aufmarsch durch die Innenstadt vor die Reitbahnstraße 84 zu verhindern. 2009 war dies geschehen. Trotz reichlicher Bedenken wurde die Route direkt vor das Wohn- und Kulturprojekt genehmigt und durchgeführt. Die ursprünglich geplante Antifa-Demonstration 2010 sollte am Hauptbahnhof starten. Am Karl-Marx-Monument sollte dann eine Zwischenkundgebung durchgeführt werden, um sich dann für den Abschluss vor der Reitbahnstraße 84 mit der angemeldeten Kundgebung zu vereinigen.
Wir als AAK haben uns dabei aktiv an den Bündnistreffen beteiligt und versuchten, eine Kritik am Gedenken und dessen geschichtsrevisonistischen Tendenzen zu formulieren. Es folgten mehrere Diskussionen zum Thema. Einige Personen aus diesem Kreis äußerten dabei höchst bedenkliche Positionen aufgrund der es dann auch zu zahlreichen Wortgefechten kam. Nach einiger Zeit wurde dann über eine Formulierung zum Aufruftext entschieden. Da wir mit den dortigen Formulierungen nicht mitgehen konnten, bestand für uns immer noch die Möglichkeit aus dem Bündnis auszuscheiden. Den endgültigen Ausschlag lieferte dann der Chemnitzer Friedenstag, der nun auch im Bündnis vertreten war. Im letzten Jahr übten wir bereits eine Kritik am Friedenstag und dessen fragwürdiger Gedenkpolitik1,2. Aus diesen Grund heraus entstanden gravierende inhaltliche Differenzen und wir sahen uns nicht im Stande, länger im Bündnis zu verbleiben. Dennoch versuchten wir die Kommunikation aufrecht zu erhalten, um Aktivitäten gegen den Nazi-Aufmarsch an diesen Tag zu unterstützen. (mehr…)

Das Tränenmeer trocken legen – Kritik am Chemnitzer Totenkult

Die Bombardierung deutscher Städte durch die alliierten Flugverbände ist jedes Jahr aufs Neue eine dramatische Begebenheit. Vielerorts werden derartige Jubiläen auf unterschiedliche Art und Weise begangen. Auch Chemnitz ist seit vielen Jahren damit beschäftigt die emotionalisierte Erinnerung an den Angriff auf die Stadt im Gewand verschiedener politischer und kultureller Veranstaltungen zu zelebrieren. Im Fokus stehen hier wie auch andernorts vor allem die eigene Betroffenheit und das „unsagbare Leid“1, welches mit dem Angriff scheinbar über die Bevölkerung der Stadt herein brach.
Der daraus erwachsende Anspruch, bezogen auf die Opfer – „würdig“ zu Gedenken – verbindet sich mit dem Wunsch, sich an diesem Tag für den Frieden in der Welt stark zu machen und wird mit allerlei (welt-)anschaulichem Habitus verdeutlicht. Leider glänzen die Akteur/innen dabei nicht unbedingt mit der inhaltlich korrekten Vermittlung historischer Gegebenheiten.
Frei nach dem Motto: „Wer Wert auf den historischen Kontext legt, kann sich ja damit auseinandersetzen“ kann in Chemnitz fast jede/r das jeweilige Verständnis von Krieg, Frieden, Volk und Leid bzw. die eigens konstruierte „richtige“ Perspektive auf die Tatsachen in der Vergangenheit sowie der heutigen Weltpolitik zu Schau stellen. Da wir uns nicht als integralen Bestandteil solcher Veranstaltungen begreifen und ebenso wenig die Rolle des „schlechten Gewissens der Geschichte“ spielen wollen, setzen wir die Kritik dort an, wo sie im Allgemeinen beginnen sollte: Innerhalb der mehrheitsfähigen Bevölkerungsgruppen.
Daher folgt an dieser Stelle ein kritischer Beitrag zu einem stark emotionalisierten Thema, von dem innigst erwünscht wird, es mit der selben gefühlsduseligen Färbung frei von kritischer Betrachtung auch offiziell begehen zu können. Die Diskussion auf dieser wenig sachlichen Ebene zu führen, ist jedoch absolut nicht unser Anliegen. 65 Jahre nach Kriegsende ist es für uns weiterhin wichtig wider ein geschichtsrevisionistisches Geschichtsbild und einen verbrämten Bezug auf eine geläuterte Nation anzustehen und uns damit der Verkehrung der Geschichte zu widersetzen.
Es ist wieder deutsche Normalität, in der Öffentlichkeit auf die „eigenen Verluste“2 im Krieg hinzuweisen und damit gleichzeitig für sich in Anspruch zu nehmen, diese ebenfalls in aller Öffentlichkeit betrauern zu dürfen. Solches Verhalten entzieht sich in verschiedenen Dimensionen nicht nur jeder historischen Verantwortung, sondern verkennt auch die spezifisch deutschen Verbrechen des Nationalsozialismus und des II. Weltkrieges.
Deshalb ist es also weder angebracht noch legitim, deutsche Kriegstote ihrer aktiven Teilnahme am Nationalsozialismus zu entheben. Gleichzeitig versucht sich die öffentliche Trauer an die Betroffenheit der von Deutschland überfallenen Staaten anzunähern und das bewegende Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit herbeizutrauern. Die Gleichstellung der Chemnitzer Bevölkerung mit von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen ist wie das damit verbundene öffentliche Gedenken abzulehnen. Aber auch eine Gedenkkultur, die auf persönlicher Betroffenheit und unter Beteiligung von damals lebenden Angehörigen basiert, muss zwangsläufig jeglicher Reflexion über persönliche Mitschuld am Nationalsozialismus entbehren. Sich aber genau damit auseinander zu setzen, wird gerade, weil es das Betroffenheitsvermögen aller Beteiligten bei weitem übersteigen müsse, verdrängt, ausgeblendet oder offen abgewehrt.
Wie jedes Jahr finden auch am 05.03.2010 verschiedene Veranstaltungen, die sich sowohl mit der Bombardierung der Stadt im Jahre 1945, als auch mit dem Nationalsozialismus an sich auseinandersetzen, statt. Sie werden gerahmt von ausreichend „Events“, die sich weder dem einen noch dem anderen Themenkomplex widmen.
Die Frage nach Sinnhaftigkeit und Zielstellung dieses Handelns bleibt allerdings seit Jahren offen. Oder sollte an dieser Stelle die gewagte Vermutung in den Raum gestellt werden, es handle sich dabei um die praktische Verklärung der Rolle von Chemnitz während des Nationalsozialismus?! (mehr…)

Repression, leider normal…

…aber davon lassen wir uns noch lange nicht die Laune verderben!!

Das Leben kann spannend wie „Thriller“ sein, vor allem in Chemnitz! Außerirdische docken an, Genlabore öffnen ihre Schleusen, Untote erwachen und alle kippen sich solidarisch nicht nur einen Cocktail hinter die mumifizierte Mullbinde, wenn es heißt – Antifa, den Luxus gönnen wir uns gegen die Repression der Polizei und alles andere Bekloppte!
Dies alles bei der Zombies-, Mutant_innen-, Superheld_innen-Soli-Party für die Betroffenen der Polizei-Repression in Folge der Demonstration gegen den Aufmarsch von Nazis am 5. März 2009. In diesem Rahmen kam es bis jetzt zu einigen Strafverfahren. Weil sich solche zumeist sehr kostenintensiv gestalten, sollen alle auf dieser Veranstaltung eingenommenen Spenden die Angeklagten wenigstens finanziell in ihrer prekären juristischen Situation zu unterstützen – und Verfahrenskosten können nicht von den Betroffenen alleine getragen werden.
Solidarisiert euch mit den Betroffenen der Polizei-Repression gegen die Kritiker_innen des Nazi-Gedenkens am 5. März 2009! (mehr…)

Still Not Lovin‘ Linke Selbstverständlichkeit

Kritische Anmerkungen zum Demo-Aufruf „Still Not Loving Germany“*

Die Fans der Bundesrepublik Deutschland feiern im Herbst 2009 den zwanzigsten Jahrestag der nationalen Vereinigung und veranstalten zu diesem Zweck zahlreiche öffentliche Feste. Auch in der Wendestadt Leipzig steigt die Party.

Das Leipziger Bündnis Still Not Loving Germany meint, dass dieses Ereignis alles andere als ein Grund zum feiern wäre und mobilisiert bundesweit zur Gegendemonstration. In Deutschland nämlich, so das Argument des Bündnisses gegen die Feierei, ist und war Rassismus an der Tagesordnung. Der Aufruf zur Gegendemo gibt sich dann auch alle Mühe, dieses Argument mit historischen und gegenwärtigen Fakten zum rassistischen Normalbetrieb in Deutschland zu belegen. (mehr…)

Solidaritätserklärung für BesetzerInnen in Erfurt

Am Morgen des 16. April 2009 wurde das besetzte Haus auf dem ehemaligen Gelände der Firma Topf und Söhne in Erfurt in einen massiven Polizeieinsatz brutal geräumt. Vor, nach und während der Räumung bekundeten zahlreiche SympathisantInnen durch verschiedene Aktionen ihre Solidarität mit den BesetzerInnen vor Ort. Hiermit schließen wir uns diesen Solidaritätsbekundungen an und fordern das bedingungslose Existenzrecht von autonomen Projekten ein. (mehr…)




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