Archiv der Kategorie 'Veranstaltungen'

Bundesweites Antifa Camp Dortmund

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Warum Dortmund?

Dortmund ist seit Jahren für sein Naziproblem bekannt. Der sogenannte “Nationale Antikriegstag” hat ähnlich wie das faschistische “Gedenken” an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung für die Naziszene. Zudem machen Dortmunder Nazistrukturen, wie der “Nationale Widerstand Dortmund (NWDO)” und die “Skinhead-Front Dorstfeld”, immer wieder durch offensive Aktionen, bewaffnete Übergriffe und Anschläge von sich reden. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben sich neonazistische Strukturen über Jahre hinweg durch mehrere Wohngemeinschaften und das “Nationale Zentrum” ausbreiten können.
Faschistische Netzwerke – mörderische Politik

Der NWDO ist aus Dortmunder Kameradschaftsstrukturen hervorgegangen und verfügt bundesweit über gute Kontakte. Das zeigt zum einen die breite, bundesweite und auch internationale Teilnahme von Nazis am Dortmunder “Antikriegstag”, zum anderen die personelle und infrastrukturelle Unterstützung bei bundesweiten Nazi-Events. In den letzten Jahren hat die Dortmunder Naziszene durch ihr aktionistisches Auftreten viel Aufmerksamkeit bekommen.

Die Skinhead-Front Dorstfeld greift immer wieder Andersdenkende und Menschen mit migrantischem Hintergrund an. Ein trauriger Höhepunkt ihrer Gewalttaten war der Mord an dem Punker Thomas Schulz 2005 durch Sven Kahlin. Diese Tat wurde von den Nazis mit der menschenverachtenden Parole “1:0” gefeiert. Der vorzeitig aus der Haft entlassene Kahlin fiel im Dezember 2010 sofort wieder durch einen Übergriff auf die alternative Kneipe Hirsch-Q zusammen mit Mitgliedern der Skinhead-Front auf. Seit 2006 war die Hirsch-Q sechsmal das Ziel von Nazis. Am 26. November 2011 griff Sven Kahlin gemeinsam mit fünf anderen Nazis zwei Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund an. Daraufhin wurde seine Bewährung widerrufen, weshalb er momentan wieder in Haft sitzt.

Die rassistisch motivierte Ermordung des Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kubaşık am 04. April 2006 durch die Nazi-Terrorzelle “NSU” muss noch näher auf mögliche Verwicklungen mit den Dortmunder Neonazi-Strukturen untersucht werden. Ein ehemaliger V-Mann des NRW-Verfassungschutzes erklärte gegenüber der Tageszeitung “WAZ”, dass um das Jahr 2004 herum NPDler aus Dortmund Kontakte zu Rechtsradikalen in Thüringen aufgebaut hätten. Darunter seien auch Verbindungen zur NSU gewesen. Zusätzlich zu diesen Mordkomplexen ist noch der rechte Dortmunder Waffenfanatiker Michael Berger zu erwähnen, der im Jahr 2000 zwei Polizisten und eine Polizistin ermordete.
Leugnen, fördern, bekämpfen?

Die Stadt Dortmund hat mit ihrem Verhalten jahrelang zu einem günstigen politischen Klima für die Etablierung und das Wachstum der Naziszene beigetragen: Das Naziproblem wurde offiziell geleugnet, Naziaktivitäten direkt und indirekt gefördert. Zum Beispiel übte die Polizei bereits 2002 Druck auf den Vermieter eines Veranstaltungsortes aus, so dass dieser ein Blood & Honour-Konzert mit 1200 Leuten nicht (!) absagte. Antifaschistische Aktivitäten wurden hingegen behindert und kriminalisiert. Auf zahlreiche körperliche Angriffe seitens der Nazis in den letzten Jahren folgten kaum juristische Konsequenzen, was sogar die Nazis in einem TV-Interview hämisch kommentierten. Veranlasst durch den letzten Polizeipräsidenten gab es in den letzten Jahren immer wieder bundesweit kritisierte Polizeieinsätze, unter anderem die vielfach öffentlich skandalisierten Polizeikessel im Jahr 2000, bei dem größtenteils jugendliche Aktivist_innen stundenlang festgesetzt wurden. Vor dem letztjährigen “Nationalen Antikriegstag” wurde ein vollbesetzter Kleinbus mit bewaffneten Nazis, die eine Gruppe von Antifaschist_innen angegriffen hatte, nicht verfolgt. Stattdessen wurde gegen die Betroffenen ein Verfahren mit dem Vorwurf des Plaklatierens angestrengt.

Jetzt, wo kaum noch politischer Spielraum besteht, die organisierte neonazistische Gewalt weiter zu ignorieren, ändert sich allmählich etwas in der Stadtpolitik. Der neue Polizeipräsident kündigte einen Politikwechsel seitens der Polizei an und äußerte sich sogar positiv in Bezug auf Blockaden gegen Nazi-Aufmärsche. Das Gebäude, in dem sich das “Nationale Zentrum” befindet, wurde durch die Stadt Dortmund aufgekauft und den Nazis der Mietvertrag gekündigt. Nachdem Ende März Nazis nachts beim Plakatieren gegen die Kündigung abgegriffen wurden, wurde am nächsten Tag u. a. das Nationale Zentrum durchsucht und die Personalien von über 50 Nazis aus Dortmund und Unna überprüft. Die Opferberatung “Back Up! – Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt” wurde ins Leben gerufen, eine eigene “Task-Force” vom Oberbürgermeister eingerichtet und ein “Runder Tisch gegen Rechts” vor wenigen Wochen konstituiert. Dennoch bleibt abzuwarten mit welcher Konsequenz und Kontinuität sich dieser neue antifaschistische Eifer der Stadt entwickeln wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Misstrauen angebracht und vielfältige antifaschistische Arbeit nötig ist und auch in Zukunft sein wird.

Unsere Perspektive …

Es ist uns wichtig zu betonen, dass Antisemitismus und rassistische Ausgrenzung weit über den Angriff (staatlich besoldeter und unbezahlter) Nazi-Strukturen hinaus geht. Antifaschistischer Widerstand muss daher auch den Alltagsrassismus bei staatlichen Behörden, beispielsweise in der Flüchtlingspolitik, thematisieren, da diese Zustände erst durch die tiefe gesellschaftliche Verankerung von Rassismus möglich werden. Ein Anknüpfungspunkt für Kritik bietet die Zusammenarbeit mit migrantischen Initiativen, beispielsweise in der Dortmunder Nordstadt, wo nach zahlreichen antiziganistischen Medienberichten die sowieso schon prekäre Situation von Sexarbeiterinnen noch weiter verschlimmert wurde. In ihren öffentlichen Protesten benannten sie als Folgen vor allem den fehlenden Schutz vor gewaltbereiten Kunden, der damit einhergehenden Schutzgelderpressung und Verlust ihrer Selbstständigkeit.

Wir wünschen uns, dass es reichen würde zu sagen: “Sexismus bleibt draußen”. Doch wir wollen geschlechterstereotypen Rollenbildern sowohl “da draußen” als auch bei uns etwas entgegensetzen – und dazu gehört nicht nur die Kritik an offensichtlichen Unterdrückungsverhältnissen. Wenn wir versuchen, uns den gesellschaftlichen Unterschieden von Mann und Frau zu entziehen, bedeutet das auch sensibel zu werden für “unsichtbare”, scheinbar selbstverständliche Hierarchien und Privilegien.

Durch offensives Aufgreifen auch der (sozialen) Frage von Verarmung und Ausgrenzung wollen wir öffentlichen Raum zurückgewinnen und der (un-)sozialen Verankerung der Nazis mit ihren nationalistischen Protesten gegen beschissene Arbeitsbedingungen und Hartz IV nicht das Feld überlassen.

Zudem rufen wir alle dazu auf, mit uns dafür zu kämpfen, dass der 1. September als Antikriegstag in der öffentlichen Wahrnehmung nicht länger faschistisch, sondern progressiv antimilitaristisch besetzt sein wird. Wer den Buchenwaldschwur ernst nimmt, muss Antimilitarismus und Antifaschismus zusammen denken. Das Verharren in fiktiven Teilbereichsbewegungen ist eine uns schwächende und (Widerstands-)weltfremde Sichtweise, mit der sich die Verhältnisse nicht grundlegend ändern lassen.
… ein ambitioniertes Vorhaben

… das eine gute Organisation und durchdachte Konzepte auf vielen Ebenen voraussetzt. Diese werden den Dortmunder Verhältnissen angepasst und stehen im Fokus unserer Vorbereitung.

Mit dem Camp setzen wir ein antifaschistisches Aufbruchsignal gegen den Dortmunder Status quo. Wir gehen mit einer bundesweiten Anstrengung in die Offensive und greifen in einem inhaltlich radikal bestimmten, aber durchaus breiten Bemühen das Treiben der Nazis in ihrer Hochphase der Mobilisierung zum “Nationalen Antikriegstag” an und werden ihnen den Aufmarsch versauen.

Uns sind alle willkommen, denen an einem undogmatisch-radikalen, antifaschistischen Widerstand gelegen ist.

Kommt vom 24.08. bis 02.09.2012 nach Dortmund! Lasst uns gemeinsam den Naziaufmarsch am 1. September verhindern!

Weitere Infos findet ihr unter www.antifacamp.org

* autonome und antifaschistische Gruppen aus NRW

Es besteht auch die Möglichkeit, eine gemeinsame Anreise aus Chemnitz / Sachsen zu organisieren. Meldet euch bei Interesse unter unserer e-mail Adresse
antifa-chemnitz@riseup.net

Mobilisierungsveranstaltung für das Bundesweite-AntiFa-Camp in Dortmund

Am kommenden Samstag 19. Mai findet um 19:30 uhr im Lesecafe auf der Leipziger Straße 3 ein Mobi-Vortrag für das bundesweite Antifa-Camp vom 24. August bis 02. September 2012 in Dortmund statt. Bitte kommt zahlreich! Neben Inhalt und Ziele des Camps wird auch ein Überblick über die Nazi-Szene in Dortmund vermittelt.
Nachfolgend dokumentieren wir den Camp-Aufruf weitere Informationen auf www.antifacamp.org

Dortmund ist seit Jahren für sein Naziproblem bekannt. Der „Nationale Antikriegstag” hat ähnlich wie das faschistische “Gedenken” an die Bombardierung Dresdens bundesweite Bedeutung für die Naziszene. Im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld haben sich neonazistische Strukturen über Jahre hinweg durch mehrere Wohngemeinschaften und das “Nationale Zentrum” ausbreiten können. Die wichtigsten Akteure sind der “Nationale Widerstand Dortmund (NWDO)” und die “Skinhead-Front Dorstfeld”. Der NWDO ist aus Dortmunder Kameradschaftsstrukturen hervorgegangen und verfügt bundesweit über gute Kontakte. Die Skinhead-Front Dorstfeld greift immer wieder Andersdenkende und Menschen mit migrantischem Hintergrund an. Ein trauriger Höhepunkt ihrer Gewalttaten war der Mord an dem Punker Thomas Schulz 2005 durch Sven Kahlin. Vorzeitig aus der Haft entlassen war bei einem Angriff u.a. der Skinhead-Front auf die alternative Kneipe Hirsch-Q im Dezember 2010 dabei und attackierte zuletzt am 26. November 2011 mit anderen Nazis zwei Jugendliche mit türkischen Migrationshintergrund. Seine Bewährung wurde widerrufen, er sitzt wieder in Haft. Die rassistisch motivierte Ermordung des Dortmunder Kioskbesitzers Mehmet Kubaşık am 04. April 2006 durch die Nazi-Terrorzelle “NSU” muss noch auf mögliche Verwicklungen mit den Dortmunder Neonazi-Strukturen untersucht werden. Ein ehemaliger V-Mann des NRW-Verfassungsschutzes sagte der “WAZ”, um das Jahr 2004 herum hätten NPDler aus Dortmund Kontakte zu Rechtsradikalen, u.a. zur NSU, in Thüringen aufgebaut.

Die Stadt Dortmund hat jahrelang dazu beigetragen, dass die Naziszene wachsen und sich etablieren konnte: Das Naziproblem wurde geleugnet, es gab direkte und indirekte Förderung von Naziaktivitäten. Antifaschistische Aktivitäten wurden hingegen behindert und kriminalisiert. Zahlreiche körperliche Angriffe der Nazis hatten kaum juristische Konsequenzen. Jetzt, wo kaum noch Spielraum besteht, die neonazistische Gewalt zu ignorieren, sind Veränderungen feststellbar. Der neue Polizeipräsident kündigte einen Politikwechsel an und äußerte sich z.B. positiv zu Blockaden gegen Nazi-Aufmärsche. Die Stadt kaufte das Gebäude, in dem sich das „Nationale Zentrum“ befindet, auf und kündigte den Nazis den Mietvertrag. Die Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt „Back Up! ” wurde gegründet und ein „runder Tisch gegen Rechts” ist in Planung. Gleichzeitig wird ein vom Bundesfamilienministerium gefördertes Projekt mit dem prägnanten Titel “Dortmund den Dortmundern” initiiert: 30 Neonazis – Kader wie Mitläufer – sollen gegen 30, demokratisch orientierte Jugendliche” antreten, um darüber zu diskutieren, wem die Stadt
Dortmund gehört und wie sie sich die Zukunft der Stadt vorstellen. So sollen Jugendliche in der konfrontativen Auseinandersetzung mit Neonazis in ihrem Demokratischen Weltbild gestärkt werden. Solchen sozialpädagogischen Ansätzen, bei denen Nazi-Kadern eine Plattform geboten wird, lehnen wir ab.

Das Camp soll ein Aufbruchssignal (nicht nur) gegen den Dortmunder Status quo setzen. Wir wollen den Aufmarsch der Nazis verhindern und ihre Mobilisierung zuvor in den „Nationalen Aktionstagen“ unterbinden. Aber noch mehr: Antisemitismus und rassistische Ausgrenzung gehen weit über den Angriff durch (staatlich besoldete und unbezahlte) Nazi-Strukturen hinaus und bauen auf breitem gesellschaftlichen Konsens auf. Antifaschistischer Widerstand muss daher auch den Alltagsrassismus bei staatlichen Behörden oder in der Flüchtlingspolitik thematisieren. Durch offensives Aufgreifen von sozialer Verarmung und Ausgrenzung wollen wir öffentlichen Raum zurückgewinnen und den Nazis mit ihren nationalistischen Parolen gegen beschissene Arbeitsbedingungen oder Leiharbeit nicht das Feld überlassen. Zudem rufen wir alle dazu auf, mit uns dafür zu kämpfen, dass der 1. September als Antikriegstag vor allem antimilitaristisch besetzt ist. Natürlich wissen wir, dass ein antifaschistisches Camp in Dortmund alles andere als eine leichte Sache ist. Aber wir halten die Zeit für überfällig, um die Autonomie antifaschistischen Widerstands wiederzuerlangen.

9.2 | Lesecafé | extrem_ist_in!

Im Lesecafé (im Kompott, Leipziger Straße 3) wird am Donnerstag, den 9. Februar um 19:00 Uhr eine Mobilisierungsveranstaltung für die Demonstration »Gegen das sächsische Demokratieverständnis und die Kriminalisierung von Antifaschismus« am 18. Februar in Dresden stattfinden.

Am Abend des 19. Februar 2011 stürmte die Polizei das Info- und Pressebüro des Bündnisses „Dresden Nazifrei“. Im April und Mai folgten großangelegte Razzien in 20 Wohnungen und Geschäftsräumen in Sachsen und Brandenburg. 20 Wohnungen von Antifaschist_innen wurden durchsucht. Grundlage dafür war ein Ermittlungsverfahren nach §129 StGB Bildung einer kriminellen Vereinigung, die für Angriffe auf Nazis sowie Sachbeschädigungen verantwortlich sein soll. Inzwischen ist klar, dass dieses Verfahren seit Mai 2010 mit allen dazugehörigen Mitteln geführt wird: Telefonüberwachung, Observation, Ausleuchtung des persönlichen Umfelds. Doch nicht nur Personen, die konkret im Fokus der §129-Ermittlungen stehen, sind betroffen. Auch gegen Blockier_innen wurden bereits die ersten Urteile gesprochen und tausende Handydaten werden nach wie vor von der sächsischen Polizei ausgewertet.

Diese Ereignisse sind nur ein Teil der sächsischen Realität, die antifaschistisches Engagement auf unterschiedlichsten Ebenen versucht zu diskreditieren, sei es mit der Extremismus-Keule oder mit Geschichten über verletzte Polizisten. Der Vortrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Ermittlungsverfahren, der Erkenntnisse über Überwachungsmaßnahmen und versucht ein Bild der sächsischen Ordnungspolitik zu zeichnen.

Weitere Informationen gibt es beim Bündnis antisächsischer Extrem_ist_innen unter: left-action.de/antifa!

20.8|Limbach-O.|Stay Rebel Festival

Nach vielen Stay Rebels kommt es auch in diesen Jahr im beschaulichen und ruhigen Limbach-Oberfrohna wieder zu einer Neuauflage. Informationen zur weiteren inhaltlichen Ausrichtung gibt es in der Pressemitteilung der Sozialen und Politischen Bildungsvereinigung Limbach-Oberfrohna e.V. :

Wie letztes Jahr holen wir auch in diesem Jahr das Stay Rebel Festival nach Limbach-Oberfrohna – unter dem Motto „Aufstand im Schlaraffenland“. So bieten wir mitten in der Innenstadt von 13:00 Uhr bis 20:00 Uhr ein breites und buntes Programm, um alternative Jugendkultur in Verbindung mit einem politischen Bildungscharakter in das sächsische Hinterland zu etablieren.

Dieses Festival soll wie letztes Jahr ein Zeichen gegen menschenverachtende Ideologien, vorallem gegen Nazismus, setzen. So gibt es unter anderem von der MdL Freya-Maria Klinger einen Vortrag über die sächsische Asylpolitik und dessen menschenverachtenden Charakter. Weitergehend wird der Film „Die Tragödie der Provinz“ von Maik Baumgärtner gezeigt. In diesem Film geht es um neonazistische Strukturen und Aktivitäten im Vogtland. Außerdem werden zwei Workshops angeboten: „Was Barbie und Superman uns vorgeben“ vom Netzwerk für Demokratie und Courage, sowie „Das Hufeisen an den Nagel hängen“ von der Roten Hochschulgruppe aus Chemnitz. Der erstere geht um Sexismus und dessen Folgen, der letztere um die Kritik am Extremismuskonzept.

Zusätzlich wird den verschiedensten Gruppen, die sich für eine emanzipierte Gesellschaft einsetzen, eine Möglichkeit geboten ihre Arbeit vorzustellen. Infostände von Antifa-Gruppen, vom RAA-Sachsen, vom Bunten Bürgerforum, von der Freien Arbeiter_innen Union etc. sind da nur einige Beispiele. Zudem wird es viele unterschiedliche Redebeiträge geben. Eine Podiumsdiskussion auf der Bühne, bei welcher antifaschistisches Engagement in der sächsischen Provinz diskutiert wird, bildet dabei den Höhepunkt des Bildungsteils des Festivals.

Zur musikalischen Unterhaltung wurde dieses mal wieder ein sehr buntes Programm organisiert. Es treten Attic Sounds (Garage / House / Rock), Gone For Broke (Hardcore), Meniak (Fusion / Latin / Ska) und Berlinska dróha (akustisch / Folk) auf. Abgerundet wird das Bühnenprogramm von einer Feuershow gegen Ende des Tages. Den ganzen Tag über wird es ebenfalls eine Kinderecke, warmes veganes Essen und eine Bar geben. Der Eintritt ist wie letztes Jahr natürlich frei.

Weitergehend ist zu sagen, dass wir als Veranstalter_innen Jede_n vom Festival verweisen, der_die nazistische Symbole an der Kleidung trägt, in der Vergangenheit durch menschenverachtendes Verhalten oder Äußerungen aufgefallen ist beziehungsweise diskriminierendes Verhalten auf dem Festival selbst betreibt.

28.5 | ab 14:00 | Park der OdF | Stay Rebel Festival

Es ist mal wieder so weit: Das Stay Rebel Festival findet zum fünften Mal statt. Viele Redebeiträgen, Workshops und Bands warten auf zahlreiche Antifaschist_innen und Menschen, die sich gegen Rassismus, Antisemitismus und Sexismus stellen wollen. Weitere Informationen gibt es unter stayrebel.info.

Aufstand im Schlaraffenland. Was ist damit gemeint?Stay Rebel 2011

Eigentlich geht es doch allen gut. Ihr geht zur Schule, zur Arbeit, an die Uni oder faulenzt einfach. Zu beklagen haben fast alle etwas. So schlimm, dass gehandelt werden muss, ist es ja dann doch nicht. Wir wollen mit dem Festival die Frage stellen: Wie gut geht es uns? Wann ist es nötig zu streiten? Und zu sagen: Jetzt ist Schluss! Es muss sich was ändern!
Nehmen wir z.B. Rassist_innen. Sie diskriminieren Menschen aufgrund ihr Herkunft, Äußeren, … Dann passiert es oft, dass Menschen sagen es sei nicht so schlimm. Oder: Es ist halt so. Somit werden Probleme weggeredet, statt diese offen anzusprechen und nach einer Lösung zu suchen. Viele bauen sich ihr eigenes Schlaraffenland, in dem alles in Ordnung ist.

Identität = Zwang?
Wir wollen die Frage stellen, ob eine Subkultur zufrieden macht. Hinterfragen sich Menschen nicht mehr, ob der eine Spruch oder das andere Handeln das vermeintlich Richtige war? Vielen Leuten ist es wichtig zu einer kulturellen Szene zu gehören. Scheinbar geht es nur darum, in welchem Club der nächste Samstagabend verbracht wird. Welche Musik im Player läuft. Welche Klamotten gerade getragen werden oder ob die eigene Friseur Grade zur Clique passt.
Aber wie viel Freiheit steckt in der Freizeit? Den wenigsten Leuten ist es wirklich egal, ob sie hipp sind. Ist es nicht bereits Zwang, aufgrund des Äußeren in eine Schublade gesteckt zu werden?

Subkultur und Vermarktung
Ganz so harmlos, spielerisch und spontan scheint die Angelegenheit also nicht zu sein. Presse und andere Medien stürzen sich auf neue Phänomene in der Jugendkultur. Es scheint fast so, als bestehe ein Zwang zur permanenten Erneuerung. Kaum gab es Menschen mit langen schwarzgefärbten Haaren, wurde aus der Musikrichtung Emo eine ganze Stylegruppe. So werden immer wieder neue Märkte erschlossen. Die Hoffnung vieler Aktivist_innen in ihrer Szene ihr Ding zu machen, wird so immer wieder auf das Neue enttäuscht. Die Kluft zwischen „echt“ und „kommerziell“ wird immer wieder aufgemacht. Sie kennzeichnet aber nur die Oberfläche des Problems. In einer Gesellschaft, in der Menschen für Lohn arbeiten gehen müssen, kann es keine wirkliche Freiheit geben. Sie kann auch nicht in einer Subkultur selber verwirklicht werden.
Statt dem Ideal von Rebellion machen sich vielerorts menschenverachtende Ideologien breit, weil der Traum von Freiheit in der Subkultur für die meisten schon ausgeträumt ist. Dabei gilt es doch, am Glücksversprechen des Schlaraffenlandes festzuhalten, oder?

Programm von 14:00 bis 23:00 Uhr

Mainstage

- ZANN (Hardcore//Leipzig)
- Lick Quarters (Ska/Reagge//Halle)
- Sookee, Tapete, Crying Wölf (Rap/HipHop//Berlin)
- Sputnik Booster (Elektro//Bayern)
- Murder She Said (Hardcore//Chemnitz)
- Dolphins Are Gray Sharks(Trancecore//Chemnitz)

Kleinkustbühne

- Gantenbein (Singer/Songwriter//Leipzig)
- Seize theDay (Folk/Blues//Chemnitz)
- delsol soundsystem (Reggea/Dub/Hip-Hop//Argentinien)

DJ-Ecke

- Nano42
- Mary Jane42
- Repulse
- Piet42
- Gendai
- Shaolin42
- DNB Trebor
- Stewka

Workshops ab 15:00

„Die Festung Europa“ – Asyl und Rassismus

Rassistische Ressentiments sind in den hiesigen Diskussionen über Flüchtlinge stark vertreten. Nicht nur dass mit der aktuellen deutschen Asylgesetzgebung Menschen in nützliche und unnützliche Menschen aufgeteilt werden, auch scheinen Migrant_innen meist Menschen zweiter Klasse zu sein. Vertreter_innen der Netzwerk für Demokratie und Courage informieren euch über die Lage von Flüchtlingen in Deutschland und über rassistischen Einstellungen, die dabei zu Tage treten.

Mein Haus, Meine Straße, Meine Subkultur
Diskussion zur Entwicklung der Chemnitzer Häuserszene

Politik, Kultur, Wohnen – drei schwer zu vereinigende Dinge. Vertreter_innen der Reitbahnstraße 84, des experimentellen Karrees (ExKa) und dem neu entstandenen Projekt an der Leipzigerstraße stellen sich der Diskussion über das Alltagsleben und die daran entstehenden Widersprüche von (ihren) Wohn- und Kulturprojekten.

„Ewig stampft die Popmaschine“

Kritik an Kommerz und Geschmacklosigkeit der Kulturindustrie ist selbst zur Sparte dieser Industrie geworden. Was bei diesen Abgrenzungsversuchen auf der Strecke bleibt, ist die Frage nach den Grundlagen des „Immergleichen“, über das gejammert wird. Auch Verheißungen von Subversion und DIY verstricken sich in Widersprüche. Das Referat behandelt die Bedeutung der im Text „Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug“ (Adorno/Horkheimer) entfalteten radikalen Argumentation für eine Kritik der Gesellschaft und möchte zum Selbstlesen einladen.

„Schwule Rapper, es wird Zeit, dass wir Tacheles sprechen…“
Männlichkeitsentwürfe und (Hetero-)Sexismus im deutschsprachigen Rap

Die Raperin Sookee gibt einen Einblick in die Entstehung, Potentiale und problematischen Aspekte von Rap. Mit Hilfe von Theorien zur Konstruktion von Geschlecht und aus der kritischen Männerforschung wird der Zusammenhang von Männlichkeitsentwürfen und (hetero-)sexistischen Vorstellungen im deutschsprachigen Rap thematisiert. Besonderes Augenmerk wird auf die sprachlichen Mechanismen und die Verquickung von Gewalt und Sexualisierung unter dem Aspekt der Mehrdeutigkeit geworfen.

26.04|TU Chemnitz|90 Jahre mitteldeutscher Aufstand

90 Jahre mitteldeutscher Aufstand Im März 1921 kam es im Industriegebiet um Halle/Merseburg und dem Mansfelder Land (heute Sachsen-Anhalt mit angrenzenden Gebieten Thüringens und Sachsens) zum letzten großen bewaffneten Aufstand in Deutschland. In der DDR galt dieses Ereignis als bedeutende historische Tat, freilich nur in der sehr eigenwilligen Interpretation der SED. Heute hingegen kommt der Aufstand in der Geschichtsschreibung kaum noch vor – was politisch erklärbar ist, liegt dieses linksradikale Ereignis doch quer zu vielen gesellschaftlichen Entwicklungen.
Es geht um Gestalten wie Max Hoelz oder Karl Plättner, die erklärte Feinde des Kapitalismus waren und die nicht von Parteilinken vereinnahmt werden können.

Bernd Langer hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Hintergründe des Mitteldeutschen Aufstandes zu erhellen und seine Protagonisten vorzustellen.

Mittwoch, 06.04.2011, 19.00 Uhr an der TU Chemnitz

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe unter kunst-und-kampf.de.

16.12|AJZ Chemnitz|Wie das vierte Reich in einem Glückspulli verschwand – Zum Altern antideutscher Kritik

Vortrag und Diskussion mit Clemens Nachtmann im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Donnerstag, den 16.12.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

So ist der Lauf der Dinge: was gestern scheinbar noch Minderheitenfaible war, ist heute schon Mehrheitsprogramm; so kompromisslos „antideutsch“, wie vor 15 Jahren nur ein paar Versprengte sich gebärdeten, führen sich heutzutage deutsche Leitartikler und Feuilletonisten allemal auf und verdolmetschen damit sowohl eine verbreitete Zuschreibung von außen als auch die kurrente Selbsteinschätzung der Deutschen, die sich mehrheitlich längst nicht mehr als bornierte, verkniffene, obrigkeitshörige Spießer, sondern als weltoffene, lockere und zivilcouragierte Bonvivants begreifen.

Angesichts der Tatsache, dass im Deutschland des Jahres 2010 die nicht enden wollende Demontage des Sozialstaats ideologisch von ebenso endlosen Polemiken gegen den „paternalistischen Obrigkeitsstaat“ deutscher Prägung sekundiert wird; dass die Deutschen, weit entfernt davon, fremdenfeindlich aufzutreten, vor Begeisterung für „fremde Kulturen“ gar nicht an sich halten können; dass die Reaktion auf die Bankenkrise gar nicht besonders panisch, sondern im Gegenteil eher gemäßigt ausfiel; dass die Außenpolitik des Nationalstaats Deutschland im Kern darin liegt, gegen den „nationalstaatlichen Egoismus“ aufzutreten und für „gerechte“, auf dem Völkerrecht basierende Konfliktlösungen sich einzusetzen – wie ist unter diesen Umständen materialistische Kritik neu zu justieren und was bleibt von ihrer antideutschen Stoßrichtung?

7.12|AJZ Chemnitz|Männer-WG Grand Hotel Abgrund? Über das Geschlechterverhältnis in der kritischen Theorie

Vortrag und Diskussion mit Micha Böhme im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Dienstag, den 07.12.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

Welche Erkenntnisse klammern bisherige geschlechterkritische Lektüren der Dialektik der Aufklärung aus:
1. weil sie nicht mit Walter Benjamins Begriff der Urgeschichte, der Kontinuität von Herrschaft, arbeiten,
2. das Naturverständnis Horkheimers und Adornos ausblenden, oder
3. das Kapitel “Elemente des Antisemitismus” nicht im Kontext der Argumentation des Buches betrachten?

Die geschichtliche „Konstellation“ (Benjamin) vor deren Hintergrund Horkheimer und Adorno die Dialektik der Aufklärung (DdA) schreiben, ist die der sich selbstzerstörenden Aufklärung im Nationalsozialismus. Mit dem letzten in sich geschlossenen Kapitel des Buches, den „Elementen des Antisemitismus“ beenden die Autoren ihren Gang durch den Zivilisationsprozeß vorläufig. Die Argumentation verläuft über das Herauslösen der Menschheit aus Mythos und Magie mittels Aufklärung, die der Tendenz nach in den Mythos zurückschlägt. Erst der völkische und eliminatorische Antisemitismus konkretisiert die Selbszerstörungstendenz der Aufklärung. (mehr…)

1.12|AJZ Chemnitz|Rausch ohne Ende: Die Wandelbarkeit der HalluziNation

Vortrag und Diskussion im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Mittwoch, den 01.12.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz mit Ernst Lohoff.

Der Siegeszug der modernen Staatlichkeit ging mit dem Siegeszug einer Wahnvorstellung einher. Die Formierung anonymer Marktgesellschaften fiel mit der Entstehung der “imaginären Gemeinschaft der Nation” (Benedict Anderson) zusammen. Dieses gemeingefährliche Realphantasma erweist sich nicht nur insofern als extrem anpassungsfähig und variantenreich als es sich innerhalb von zwei Jahrhunderten von Europa aus über alle Kontinente verbreiten konnte; in neuen Mutationen gedeiht es auch im globalisierten Kapitalismus prächtig. Nationalökonomie und Nationalstaat mögen obsolet sein, das Konstrukt einer nationalen-kulturellen Identität ist es nicht, hierzulande am allerwenigsten. Die Debatte um Thilo Sarrazins Bestseller “Deutschland schafft sich ab” fügt sich in einen größeren Prozess ein. Angesichts massiver auch für die Mittelschichten bedrohlicher wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verwerfung, bildet sich eine neue Variante “imaginäre Gemeinschaftlichkeit” heraus, die mit dem Liberalismus und der Beschwörung individueller Verantwortung kompatibel ist.

28.11|AJZ Chemnitz|Eine Seefahrt. Die ist lustig? – Zur Geschichte des deutschen Antizionismus

Vortrag und Diskussion mit Joachim Bruhn im Rahmen der Veranstaltungsreihe „is‘ schon schlimm“ am Sonntag, den 28.11.2010 um 19:00 im AJZ Chemnitz.

Irgendwann zwischen der Wannsee-Konferenz und der Gründung Israels verliert der Hass auf die Juden jedwede Geschichte. Danach gab es keine Antisemiten mehr: weil alle es sind. Der Antisemitismus wird zum logischen wie zum historischen Apriori, zur Ontologie des gesellschaftlichen Seins der Deutschen. Was immer sich seitdem auch ereignet hat – es spiegelt den prinzipiellen Stillstand der Geschichte, den Bann, die Angstlust der erpressten Versöhnung. So findet auch der Hass auf die Juden, egal, ob antisemitisch oder antizionistisch ausgebrüllt, keine neuen Worte mehr, sondern gehorcht einem manischen Wiederholungszwang, dessen Vokabular in den Werken Adolf Hitlers gesammelt vorliegt. Es ist sein »Politisches Testament« vom 29. April 1945, das seitdem abgearbeitet wird, sein letzter Wille, dem »internationalen Judentum und seinen Helfern« den totalen Krieg zu erklären und dafür immer wieder aufs Neue im deutschen Staat die so klassenübergreifende wie die Klassen in sich aufhebende Volksgemeinschaft zu verschweißen, d.h. das Mordkollektiv, das in erlogener präventiver Notwehr dagegen sich erheben solle, dass »die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden«.

1989, als die Wiedervereinigung der Antisemiten (BRD), die genötigt worden waren, mit Israel sich zu arrangieren, mit den Antizionisten (DDR), denen es nur erlaubt war, die Juden in Form der ›Zionisten‹ zu hassen, unvermeidlich wurde, waren alle formellen Bedingungen der deutschen Souveränität wiederhergestellt, die es möglich machen, Hitlers Testament doch noch zu vollstrecken, d.h. die Shoah durch ihre Vollendung, Überbietung und restlose Vollstreckung an Israel ungeschehen zu machen: Der Rechtsnachfolger rüstet sich auf, der Gesellschaftsnachfolger zu sein. Denn erst der Tag, an dem es die Juden, außer in Geschichtsbüchern, niemals gegeben haben wird, wird der Tag der vollendeten »Deutschen Revolution« (Goebbels) gewesen sein. So trifft das paradoxe Resümée jetzt erst zu, das Eric Voegelin 1964 aus dem Verhältnis der Deutschen zu Hitler zog: »Nichts gelernt und nichts vergessen.«

Es ist diese irrsinnig redundante, penetrante Permanenz des Nullpunkts materialistischer Aufklärung, in dem der Wiederholungszwang sich breitmacht.




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